Einführung

01.01.2009 17:51

Die Gedenktage der Apostel und Evangelisten sind der protestantischen Kirche weitgehend verloren gegangen. Eine Ursache dafür ist gewiß die kalendarische Festlegung, die eine Einbeziehung des Gedenkens in die Gottesdienste erschwert. Gewichtiger ist leider die verbreitete Annahme, das Gedenken der Apostel und Evangelisten sei "katholisch" und würde dem reformatorischen Erbe widersprechen. Die wenigsten, die dies meinen, wissen heute, dass die CA (Confessio Augustana), die grundlegende Schrift der Reformation, die gegen die Mißbräuche in der römischen Kirche verfaßt worden war (s. Tag der Augsburgischen Konfession), das Gedenken der Heiligen (ohne Beschränkung auf die Apostel und Evangelisten) ausdrücklich empfiehlt, "auf dass wir unseren Glauben stärken, wenn wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren, auch wie ihnen durch Glauben geholfen ist." (Art. 21) Auch das Zeugnis der Heiligen Schrift wird zu diesem Thema nur selten gehört: "Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach." (Hebr 13, 7)
Natürlich wehrt sich die protestantische Kirche entschieden und mit Recht gegen die Anrufung der Heiligen, aber ein derartiger Mißbrauch ist in unserer Zeit unter den Protestanten gewiß nicht zu befürchten.
Die Geschichte der Aposteltage beginnt schon im 3. Jahrhundert, und erst mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert sind sie den lutherischen Kirchen, die sie bis dahin in ihren Ordnungen vorsahen, verlorengegangen. Heute wird durch Angebote versucht, wenigstens die Apostel- und Evangelistentage sowie einige andere, für das Evangelium wichtige Gedenktage wieder in den Gemeinden einzuführen.
Die hier aufgeführten Tage sind duchweg im Kalender der Lutherischen Liturgischen Konferenz Deutschlands von 1977 zu finden; die ausführliche einleitung zu jedem Gedenktag soll die Beschäftigung mit den entsprechenden Gestalten erleichtern und zu einem gottesdienstlichen Begehen des Gedenktages (z.B. durch eine Vesper) ermuntern. An manchen Gedenktagen wird wegen des wichtigen Inhaltes die Verlegung auf den nächsten Sonntag empfohlen.
Wichtig ist aber für den Gedenkgottesdienst, dass die Erzählung der Lebensgeschichte das Hören auf die Heilige Schrift nicht verdrängen darf.

—————

Zurück