Ausgabe: Aug. 2010

20.08.2010 19:23

 Verantwortlich für den Inhalt:

Oncken: Agentur für Kommunikation

Klaus Rösler

Postfach 200 152

34080 Kassel

 

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen in den Gemeindebriefredaktionen,

 

dass Nachrichten- und Sommerpause war, merkt man dieser Zusammenstellung von Nachrichten aus der baptistischen Welt durchaus an. Wenig aus dem Bund, viel von außerhalb. Aber warum auch nicht, wenn es uns in den Gemeinden inspirieren kann, quer zu denken. Darf ich an die Bundeskonferenz in Kassel erinnern? An die große Ratlosigkeit angesichts sinkender Mitgliederzahlen. FeGler und Methodisten haben Antworten auf ähnliche Entwicklungen in ihren Reihen gefunden. Was durchaus lesens- und beachtenswert für Baptisten und Brüder ist.

Der Weltbund hat getagt – und kaum jemand hat es gemerkt. In Deutschland sorgte eine kleine Notiz aus einer Arbeitsgruppe für Schlagzeilen. Christen und Muslime sind religiöse Geschwister. Ich warne vor voreiligen Schlüssen, wie man sie bereits überall im Internet findet, wo die Baptisten als blinde Blindenleiter verurteilt werden. Es macht für das tägliche Leben halt schon einen Unterschied, wo man lebt – in einem muslimisch oder christlich geprägten Land. Es geht nicht um religiöse Gleichmacherei, sondern darum, nicht schlecht voneinander zu reden. Eher humoristisch für Baptisten ist die Meldung über das Taufwasser aus dem Jordan zu verstehen. Vielleicht rechnet ja einmal jemand aus, wie teuer eine Gläubigentaufe würde, wenn schon 120 Milliliter mit 10 Euro zu Buche schlagen.

 

Wie immer – Gottes Segen bei der Auswahl der Nachrichten

Euer Klaus Rösler 

 

 Naturkatastrophen weltweit: Baptisten rufen zum Gebet auf

Gebet statt zusätzlicher Spenden angesichts der Naturkatastrophen weltweit. Darauf setzt derzeit unser Bund. Generalsekretärin Regina Claas ruft in einem „Gebetsaufruf“ die Gemeinden „dringend“ dazu auf, „sich in der Fürbitte zu den Opfern zu stellen und Gott um Hilfe zu bitten“. Wie sie schreibt, sei es ihrer Freikirche möglich, durch den gut ausgestatteten Katastrophenfonds schnell und unbürokratisch zu helfen. Dies wolle man dann tun, wenn von den baptistischen Partnern vor Ort das Signal komme, „was konkret benötigt wird und dass die Hilfe verlässlich ankommt“. Claas geht konkret auf die Überschwemmungen in Sachsen, Polen, Tschechien, Pakistan und China sowie die Waldbrände in Russland ein. Im Blick auf die Katastrophe in Pakistan schreibt die Generalsekretärin, dass dort die Hilfe bei den Schätzungen zufolge 14 Millionen Opfern „nur zögerlich“ ankomme: „Es fehlen Lebensmittel und Medikamente, die Häuser sind zerstört, viele Menschen sind obdachlos geworden.“ Wörtlich schreibt Claas: „Bitte betet dafür, dass den Opfern schnell geholfen werden kann und der Wiederaufbau zügig und gut vorangeht.“

 

 Schon im Alten Testament: Reiche sollen sich um Arme kümmern

In der israelitischen Gesellschaft des Alten Testamentes ist Armut ein Unding. Trete sie trotzdem auf, seien die Reichen aufgefordert, für Abhilfe zu sorgen, auch wenn sie dadurch riskierten, Geld zu verlieren. Darauf hat der ehemalige Professor für Altes Testament, Dr. Stefan Stiegler, hingewiesen. Stiegler gehört zum Vorstand des Evangelisch-Freikirchlichen Albertinen-Diakoniewerkes in Hamburg. Er hielt den Festvortrag beim Sommerfest des Diakoniewerks Kirchröder Turm in Hannover. Wie er weiter sagte, sei Diakonie keineswegs eine Erfindung der Christen. Schon in der Tora, dem jüdischen Gesetz, werde der Einsatz für sozial Benachteiligte gefordert. Vor Gott gebe es keine sozialen Unterschiede. Deswegen sei es dem freien Bürger Israels nicht selbst überlassen, ob er auch diakonisch aktiv sein wolle. Vielmehr sei es seine Pflicht, dazu beizutragen, dass Arme Anteil bekommen an dem Segen, den Gott auf ganz Israel gelegt habe. Mit dem Sommerfest feierte das Diakoniewerk zugleich auch den 60. Geburtstag ihres Geschäftsführers, Pastor Michael Borkowski. Er kündigte einige Neuerungen an. So  plane man ein Trauma-Therapiezentrum für Missbrauchsopfer sowie eine „Young Care Einrichtung“ für Menschen mit einem Schädel-Hirn-Trauma.

 

 

Love-Parade: Keine Strafe Gottes

Ein Baptistenpastor war unter den Notfallseelsorgern, die sich um die Opfer der Katastrophe auf der Love-Parade in Duisburg kümmerten. Wie der leitende Notfallseelsorger und Baptistenpastor André Carouge (Kamp-Lintfort) sagte, war er ursprünglich eingeteilt, um sich um kleinere Probleme der Raver zu kümmern - verlorene Schlüssel, durstige Tänzer oder Kinder, die von ihren Eltern gesucht werden. Doch kurz vor seinem Dienstantritt habe es die Katastrophe mit 21 Toten und über 500 Verletzten gegeben. Er habe dann zusammen mit zwei Kollegen im Unglückstunnel, wo die Toten noch gelegen hätten, zunächst eine Lageeinschätzung abgeben müssen. Er habe dort „ein absolutes Chaos“ vorgefunden. Bis Mitternacht sei er vor Ort gewesen, um zu helfen. Unterdessen erklärte der Leiter des Dienstbereichs Gemeindeentwicklung, Pastor Friedrich Schneider (Oldenburg), dass die Katastrophe keine Strafe Gottes sei. Wer Parallelen zum alttestamentlichen Bericht über den Untergang von Sodom und Gomorrha ziehe, habe „nichts begriffen von der Liebe Gottes in Jesus Christus“. Solche Bemerkungen seien „menschenverachtend“ und den Angehörigen der Opfer gegenüber „äußerst zynisch“. Aufgabe von Christen sei es, für die betroffenen Familien und Freunde zu beten und ihnen beizustehen. Ohne sie namentlich zu nennen, kritisierte Schneider die Publizistin und Fernsehmoderatorin Eva Herman (Hamburg). Sie hatte in einem Internetkommentar das Treiben bei der Love-Parade mit Sodom und Gomorrha verglichen. Der Bibel zufolge hatte Gott die beiden Städte wegen des sündigen Lebens ihrer Bewohner untergehen lassen.

 

 

„Reach Sachsen-Anhalt“ mit der Liebenzeller Mission

Eine ungewöhnliche Jugendevangelisation fand Ende Juli in Quedlinburg in Sachsen-Anhalt statt. Eingeladen zu „Reach“ (Engl.: Erreichen) hatte dazu die Gemeinde Quedlinburg. „Reach“ ist ein Projekt der Liebenzeller Mission. In Sachsen-Anhalt war auch die Gemeinde Magdeburg mit dabei. Bei „Reach“ werden die jugendlichen Mitarbeiter 10 Tage bei einem Landeskongress geschult, dann verbringen sie eine Woche im Einsatzort. Der Quedlinburger Gemeindepastor Markus Schmitz (Harzgerode) zeigte sich begeistert. Der Aufwand für eine Ortsgemeinde sei minimal. Das Team bringe einen eigenen Evangelisten und Leiter mit: „Ein so gut geschultes und selbstständiges Einsatzteam haben wir noch nie gehabt – es stimmte einfach alles.“ In Quedlinburg habe er sich der Einsatz auf einen sozialen Brennpunkt konzentriert. Die elf Teammitglieder hätten zu den dort angetroffenen etwa 30 Kindern und Jugendlichen Kontakte geknüpft. Abends habe es dann ein Programm mit Konzerten und Kurzpredigt gegeben. Einige Besucher hätten sich bekehrt. Ein Kind habe bereits nach der Evangelisation die Sonntagsschule der Gemeinde besucht. Auch für die Jugendlichen, die an den Einsätzen teilgenommen hatten, sei der Einsatz in Quedlinburg „ein nachhaltiges Erlebnis“ gewesen. Markus Schmitz hofft, dass in den kommenden Jahren noch mehr Gemeinden seine Freikirche bei „Reach“ mitmachen.

 

 

Riesentötertour: Mit Lobpreis und Tanzdrama durch acht Gemeinden

Inspiriert von der biblischen Geschichte über den Kampf von David gegen den Riesen Goliath organisierte die Jugendgruppe der Christus-Gemeinde in Magdeburg nun eine „Riesentötertournee“ durch acht Städte des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Wie Jugendreferent Christian Fischer sagte, habe der Schwerpunkt dabei auf den musikalischen Lobpreis gelegen. Man habe konkret erleben wollen, „wie Riesen auch in unserem Leben zu Fall kommen“. Die Band habe aus wechselnden Musikern bestanden. Zudem habe die Gruppe ein Tanzdrama aufgeführt. Begeistert zeigte sich Christian Fischer darüber, dass man erlebt habe, „wie Gott uns gebrauchte“: „Wir erlebten ihn praktisch, wie er unserer Beziehungen zueinander verbesserte, wir erlebten Menschen, die dankbar waren für das, was wir getan haben.“ Durch die Besuche in anderen Gemeinden hätten sich die Beziehungen zwischen den Jugendgruppen intensiviert.: „Wir sind sehr gespannt, was Gott noch mit uns vorhat.“ Die Jugendgruppe der Christus-Gemeinde nennt sich c.a.m, eine Abkürzung von „Christ and me“ (Christus und ich).

 

 

Gospelnacht auf Sylt: 4.000 loben Gott

Starken Zuspruch erfuhr die traditionelle Gospelnacht auf der Nordseeinsel Sylt. Rund 4.000 Besucher hörten direkt am Strand in Westerland den Tostedt Community Gospel Choir unter Leitung des Ghanaers Christopher Asafo-Agyei. Das Konzert wurde zum 9. Mal von der kleinen, nur 25 Mitglieder zählenden Baptistengemeinde in Westerland zusammen mit dem Tourismus-Service veranstaltet. Der 28-köpfige Chor präsentierte moderne und alte Gospel-Lieder und motivierte die Zuhörer zum Mitsingen und Klatschen. Baptistenpastor Christoph Weichert (Flensburg) von der Baptistengemeinde war begeistert vom Auftritt des Chores, der für ihn „einer der besten Gospelchöre Deutschlands“ ist. Besonders angetan zeigte er sich von den geistlichen Erfahrungsberichten, die die Sängerinnen und Sänger zwischen den Liedern immer wieder einfließen ließen. Ein Open-Air-Gospelgottesdienst am nächsten Tag zählte rund 1.000 Besucher. Die Schriftlesung im Gottesdienst hielt die Sylter Bürgermeisterin Petra Reiber, die zur Westerländer Baptistengemeinde gehört. Die Kollekte ergab fast 4.300 Euro. Das Geld kommt einem baptistischem Aids-Projekt in Südafrika zugute.

 

Forscher: Glaube macht glücklich

Glück ist keine Glückssache - der Glaube spielt eine entscheidende Rolle, meinen Forscher. Vier  Sozialwissenschaftler vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin haben Daten aus 15 Jahren ausgewertet. Sie wollten herausfinden, welche Faktoren die Zufriedenheit des Menschen beeinflussen. Ihre Erkenntnis: Religion spielt eine entscheidende Rolle, berichtet die Zeitschrift „Psychologie heute" (Weinheim) über das Projekt. Wie zufrieden der Mensch ist, sei abhängig von dem Stellenwert, den der Glaube in Leben einnehme. Mit ihren Ergebnissen stellen die Forscher gängige Annahmen der Psychologie infrage. Bisher war man davon ausgegangen, dass Zufriedenheit genetisch bedingt sei. Die Wissenschaft war der Meinung, Rückschläge im Leben sorgten nur für kurzzeitige Ausreißer, bevor sich die Zufriedenheit des Einzelnen immer wieder im Normalbereich einpendle. Daten aus 15 Jahren Erhebung in Deutschland sprechen gegen diese Annahme, zeigte sich nun. Für ihre Untersuchungen haben die Forscher auf Daten aus den Jahren 1990 bis 2005  zurückgegriffen, bei denen über 20.000 Menschen jährlich befragt wurden. Es zeigte sich: Je stärker Menschen ihren Glauben im Laufe der Jahre praktizieren, desto eher steigern sie ihre Zufriedenheit. Je unwichtiger der Glaube wird, desto unzufriedener ist auch der Mensch.

 

Lutheraner und Mennoniten versöhnen sich

Lutheraner und Mennoniten haben sich während der Vollversammlung des Lutherischen Weltbunds (LWB) in Stuttgart versöhnt. Beide Seiten sprechen von einem „historischen Akt“. Die Lutheraner hatten die sogenannten Wiedertäufer (Anabaptisten) – darunter Mennoniten - im 16. Jahrhundert verfolgt und zum Teil bis in die Gegenwart diskriminiert. Zuvor hatte die LWB -Vollversammlung ein Schuldbekenntnis gegenüber den Wiedertäufern abgelegt. LWB-Präsident Bischof Mark S. Hanson (Chicago/USA) wertete die Erklärung als „beispiellosen Schritt der Wiedergutmachung“. In dem Text heißt es, der Weltbund empfinde „tiefes Bedauern und Schmerz über die Verfolgung der Täufer durch lutherische Obrigkeiten und besonders darüber, dass lutherische Reformatoren diese Verfolgung theologisch unterstützt haben“. Für die Mennonitische Weltkonferenz nahm Präsident Danisa Ndlovu (Bulawayo/Simbabwe) das Schuldeingeständnis an. Als Beobachter des Baptistischen Weltbundes nahm Pastor Frank Fornacon (Kassel) an dem Treffen in Stuttgart teil. Ihn habe das Bekenntnis von Stuttgart beeindruckt. Während 700 Lutheraner kniend beteten, seien seinem mennonitischen Nachbarn die Tränen übers Gesicht geflossen.

 

Freundschaften sind am wichtigsten

Freundschaften sind das wichtige Instrument im Gemeindebau. Davon ist der evangelisch-methodistische Gemeindeaufbau-Experte Eberhard Schilling (Nürnberg) überzeugt. In der neuesten Ausgabe des Kirchenmagazins „unterwegs“ (Frankfurt am Main) geht er der Frage auf den Grund, warum die meisten Kirchen in Deutschland schrumpfen und was sie am Wachstum hindert. Nach Schillings Einschätzung ist es in Mitteleuropa schwerer geworden, Menschen zum christlichen Glauben zu führen. Für die evangelistische Durchdringung der Gesellschaft brauche man jeden einzelnen Christen: „Da läuft sehr viel auf der Beziehungsebene – Freundschaften müssen aufgebaut und gepflegt werden.“ Viele wollten diesen Preis für die Weitergabe des Evangeliums nicht zahlen. Schilling ist Pastor des JesusCentrums in Nürnberg und übergemeindlich Sekretär für missionarischen Gemeindeaufbau und Gemeindegründung im Evangelisationswerk der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Zur Frage, was Gemeinden zukunftsfähig mache, nannte Schilling drei Faktoren: inspirierende Gottesdienste, leidenschaftliche Spiritualität und liebevolle Beziehungen.

 

 

Mindestens 1.000 Euro monatlich für Familien

Die Einführung eines Familiengeldes von mindestens 1.000 Euro monatlich hat der Vorsitzende des Vereins „Hilfe zum Leben Pforzheim“, der Baptist Reinhard Klein (Pforzheim), gefordert. In einem Brief an Bundesfamilienministerin Kristina Schröder schreibt Klein, dass die Kosten für den Mindestlebensunterhalt von Familien seit 2002 um mehr als 20 Prozent gestiegen seien. Zugleich seien von der Regierung Familienleistungen um 10 Milliarden Euro gestrichen worden. Die Mehrwertsteuererhöhungen belasteten Familien um weitere 10 Milliarden Euro. Der Plan der Amtsvorgängerin von Frau Schröder, Ursula von der Leyen, durch das von ihr eingeführte Elterngeld einen Babyboom auszulösen, sei gescheitert. Statt dessen sie die Zahl der Geburten weiter zurück gegangen. 651.000 Kinder seien 2009 in Deutschland geboren worden, „die geringste Geburtenzahl seit Ende des Zweiten Weltkrieges“, so Klein. 

 

 

Fast jede zweite Freie evangelische Gemeinde wächst stark

Fast jede zweite Gemeinde im Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG) wächst stark. Das geht aus einer Untersuchung der Freikirche über die Entwicklung zwischen 1998 und 2008 hervor. Zu  dem Bund gehören derzeit 440 Gemeinden mit rund 38.000 Mitgliedern. Über die Ergebnisse der Studie informieren die Bundessekretäre Reinhard Spincke und Bernd Kanwischer (beide Witten) in der Zeitschrift „Christsein heute“ (Witten). 205 der 433 Gemeinden (47,3 Prozent) steigerten ihre Mitgliederzahl in dem Zeitraum um mehr als zehn Prozent. Der Anteil deutlich schrumpfender Gemeinden mit Verlusten von über zehn Prozent lag bei 132 (30,5 Prozent); 96 (22,2 Prozent) hielten ihr Mitgliederniveau in etwa. Spincke und Kanwischer verweisen darauf, dass zwischen 1994 und 2008 27 Gemeinden geschlossen wurden: „Ohne die ständigen Neugründungen und Neuaufnahmen hätte es auch in unserem Bund kein Wachstum gegeben.“ Die beiden Autoren gehen der Frage nach, warum Gemeinden schrumpfen und sterben. Ein Grund seien zerstörerische Konflikte. Dabei gehe es nicht um Sachfragen, sondern um Macht und persönliche Animositäten. Manche Christen entwickelten bei Streitigkeiten ein Elefantengedächtnis. Konflikte, die Jahre zurücklägen und beigelegt schienen, würden wieder aufgewärmt. Den Bundessekretären zufolge wirken sich auch häufige Wechsel bei Pastoren und Gemeindeleitern negativ aus.

 

Allianz-Konferenz: Gott nicht verniedlichen

Christen sollten Gott weder verharmlosen noch verniedlichen und sich nicht scheuen, auch von Sünde und Gott als Richter zu reden. Einen Gott, der nur lieb sei, empfänden viele Menschen als entbehrlich, sagte der Theologe und designierte Leiter der Biblisch-Theologischen Akademie des Forums Wiedenest (früher: Missionshaus Bibelschule Wiedenest), der Baptistenpastor Horst Afflerbach. Er sprach bei der Jahreskonferenz der Deutschen Evangelischen Allianz im thüringischen Bad Blankenburg. Das Treffen unter dem Motto „Gott spricht – und das ist gut“ zählte über 2.500 Teilnehmer. Erst das Reden von Sünde und Gottes Gericht mache die Botschaft von Gnade und Erlösung verständlich. Afflerbach empfahl Christen, ihre Beziehung zu Gott zu pflegen. Je mehr diese vernachlässigt werde, desto größer sei die Gefahr, das Herz an Götzen wie Geld, Erfolg oder Gesundheit zu hängen. Vor „falschen Propheten“ warnte der Bundessekretär im Bund Freier evangelischer Gemeinden, Pastor Bernd Kanwischer (Extertal). Falsche Propheten, von denen die Bibel berichte, gebe es auch heute. Ein Kennzeichen sei, dass sie stets das verkündeten, was die Adressaten hören wollen. Das finde man auch heute in der Gesellschaft vor. In christlichen Kreisen seien es Themen wie Gesundheit oder Gemeindewachstum. Die Jahreskonferenz endete mit einem Plädoyer für ein verstärktes Engagement von Christen in der Gesellschaft. Wie der Allianzvorsitzende Jürgen Werth (Wetzlar) sagte, sollten sich Christen immer wieder fragen, was ihr Beitrag für das Zusammenleben der Menschen sein könne. Der Rückzug in die „fromme Nische“ sei das verkehrte Signal.

 

 

Baptisten: Christen und Muslime sind „Geschwister“

Christen und Muslime sind religiöse Geschwister; sie sollten nicht schlecht voneinander reden. Diese Ansicht vertraten Baptisten aus dem Libanon und den USA in einer Arbeitsgruppe des Baptistischen Weltkongresses in Honolulu (Hawaii). In seinem Arbeitspapier kritisierte der Direktor der baptistischen Libanesischen Gesellschaft für Bildung und soziale Entwicklung, Nabil Costa (Beirut), dass muslimische Extremisten das Christentum schmähen, um den sogenannten Heiligen Krieg zu rechtfertigen und den „unmoralischen Westen“ zum Islam zu bekehren. In ähnlicher Weise zeichneten manche Politiker und Medien im Westen ein schändliches Bild von Muslimen und sprächen im Blick auf islamisch geprägte Länder von einer „Achse des Bösen“. Es sei traurig, dass diese Einschätzung in vielen evangelikalen Gemeinden bekräftigt und der Islam „dämonisiert“ werde, so Costa. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 träten in christlichen Kreisen vermehrt „Blender“ auf, die sich als Islam-Experten ausgäben und eine „Botschaft des Hasses“ predigten. Das verstoße gegen das Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider Deinen Nächsten“. Ähnlich äußerte sich der baptistische Theologieprofessor Robert Sellers (Abilene/US-Bundesstaat Texas). Es sei „lieblos und hinterlistig“, den Propheten Mohammed zu diffamieren, schlecht vom Islam zu reden oder Muslime kollektiv als Extremisten darzustellen. Der Weltbund umfasst 216 Baptistenbünde mit über 37 Millionen getauften Mitgliedern.

 

Weltweit gefragt: Taufwasser aus dem Jordan

Wasser aus dem Jordan wird in alle Welt exportiert. Bei dem Verkauf stehen Jordanien und Israel in Konkurrenz. Nach fast 100 Jahren hat Jordanien wieder mit der Ausfuhr von geweihtem Wasser begonnen, das an jener Stelle dem Fluss entnommen wurde, wo Jesus getauft worden sein soll. Dem Johannes-Evangelium zufolge geschah dies am Ostufer des Jordan in Bethanien, heute Wadi al-Charrar. Laut anderen Evangelien soll Johannes der Täufer Jesus am anderen Ufer getauft haben. Im Westjordanland wird dem Fluss an einer vermeintlichen Taufstelle ebenfalls Wasser für den Export entnommen. Das geweihte Nass wird mit Genehmigung der römisch-katholischen und der griechisch-orthodoxen Kirche ausgeführt. Von Jordanien aus geht es unter anderem in die Vereinigten Staaten, Kanada, Mexiko, Europa und afrikanische Länder. Bereits zur Zeit des Osmanischen Reichs wurde Jordanwasser in die ganze Welt verkauft. Mit dem Niedergang des Reichs in Ersten Weltkrieg wurde die Taufstätte zum Militärgebiet erklärt. Im Internet werden Fläschchen mit 120 Millilitern Jordan-Wasser für umgerechnet 10 Euro gehandelt. Bei deutschsprachigen Anbietern wird die Halbliterflasche „Jordanwasser für Ihre Taufe“ für 99 Euro angeboten.

 

Streit um Moschee am Ground Zero

Pläne, eine Moschee nahe Ground Zero in New York zu errichten, haben in den USA eine heftige Kontroverse ausgelöst. In der Nähe des Ortes, wo islamistische Selbstmordterroristen am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des Welthandelszentrums stürzten und 2.976 Menschen töteten, will die Cordoba-Initiative ein 13 Stockwerke hohes muslimisches Zentrum errichten – mit Moschee. Doch einige Islam-Kenner empfinden es als eine Provokation, ein islamisches Zentrum dort zu bauen, wo muslimische Extremisten einen Massenmord begangen haben. Richard Land, Präsident der Kommission für Ethik und Religionsfreiheit der Südlichen Baptisten, lehnt den Bau des Zentrums ab. „Ich verteidige das Recht der Muslime, einen Ort zum Gottesdienst in Manhattan zu haben, aber nicht am Ground Zero“, sagte Land in einem Radiointerview. Er verwies auf Umfragen, nach denen 61 Prozent  der New Yorker an dem Platz keine Moschee haben wollen. Der baptistische Publizist Mosab Hassan Yousef, Sohn eines Gründers der palästinensischen Terrororganisation Hamas, ist überzeugt, dass Muslime mit dem Moschee-Projekt eine „starke politische und religiöse Botschaft“ verbinden. Das Zentrum werde als „kühne Bekräftigung“ des Korans dienen, der auch von den Extremisten zitiert wurde, die den Anschlag auf das Welthandelszentrum verübten. Er schlug vor, ein Krankenhaus statt einer Moschee zu bauen. Yousef wurde durch sein Buch „Sohn der Hamas“ weltweit bekannt.

 

Peru macht deutsches Arzt-Ehepaar zu Ehrenbürgern

Das deutsche Arztehepaar Martina und Klaus-Dieter John hat die Ehrenstaatsbürgerschaft Perus erhalten. Die Baptisten haben in dem südamerikanischen Land das Mitte 2007 eröffnete Missionskrankenhaus Diospi Suyana (Wir vertrauen auf Gott) aufgebaut, das sie auch leiten. Allein für den Bau der Klinik in Curahuasi, die die medizinische Versorgung von Indios im Hochland erheblich verbessert, sammelte das aus Wiesbaden stammende Ehepaar rund zehn Millionen Euro. Das Krankenhaus hat 55 Betten, vier Operationssäle und fünf Intensivbetten. 110 Mitarbeiter sind dort tätig - 25 Missionare und 85 Einheimische. Nach dem Endausbau sollen jährlich rund 100.000 Patienten versorgt werden. Die Geschichte der Krankenhausgründung hat John im Buch „Ich habe Gott gesehen“ (Brunnen Verlag Gießen) veröffentlicht, dessen dritte Auflage nach Angaben des Verlags in Vorbereitung ist.

 

Orthodoxer Patriarch lobt “orthodoxe” Baptisten

Der oberste Geistliche der Russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill (Moskau), hält offenbar viel von den Baptisten. Als einzige nicht orthodoxe Gemeinschaft ist er auf sie in einer Rede vor kurzem im Opernhaus Odessa eingegangen. Für russische Verhältnisse kommt dies einer Sensation gleich.

Der Patriarch unterstrich den slawischen Charakter der Baptisten in Russland und der Ukraine. Er distanzierte sich somit indirekt von der Anschauung, Baptisten seien eine versteckte, fünfte Kolonne des Westens. Kyrill berichtete von persönlichen Begegnungen mit Baptisten. Er habe den Eindruck gewonnen, dass sie „äußerst orthodoxe Baptisten“ seien und sich nicht von den Orthodoxen unterscheiden würden. Kyrill ergänzte: „Vieles, was uns Orthodoxen von der protestantischen Welt trennt, trennt auch Baptisten, die in einem orthodoxen Kontext leben, von der protestantischen Welt.“ In Erwiderung auf diese Rede meinte Witali Wlasenko, Abteilungsleiter für kirchliche Außenbeziehungen bei der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten: „Wir vertreten ähnliche Standpunkte.“ Dies gelte im Blick auf das baptistische Nein einer liberalen sexuellen Orientierungen, zu Abtreibungen und zur Frauenordination. Solche Ansichten seien nicht ausschließlich orthodox – sondern vor allem biblisch.

 

Usbekistan: Zwei Razzien gegen Baptisten in Taschkent

Die Polizei in Usbekistan macht Front gegen Baptisten. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation Forum 18 (Oslo). So habe die Polizei am 28. Juli eine Razzia in einer Wohnung in der Hauptstadt

Taschkent  durchgeführt, in der einige Baptisten versammelt waren, um den geistlichen Geburtstag eines Gemeindemitglieds einer nicht registrierten Gemeinde zu feiern. 23 Menschen seien inhaftiert und teilweise zu mehrtägigen Haftstrafen verurteilt worden. Dabei hätten sie „nichts Illegales getan, nur Tee getrunken und einige geistliche Lieder gesungen“, berichtet ein Baptist aus Taschkent. Offiziell herrscht in Usbekistan Religionsfreiheit. Doch religiöse Gruppierungen beschweren sich immer wieder, dass die Religionsgesetzgebung im Widerspruch zur Verfassung stehe.

 

Feuer in Russland: Auch Baptisten verlieren Häuser in den Flammen

Den verheerenden Wald- und Torfbränden in Russland fielen auch Häuser von Baptisten zum Opfer. Das erfuhr die Zentrale der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten in Moskau. Bei Temperaturen um die 40 Grad sei etwa am 28. Juli gegen Mittag in dem Dorf Gorokhovka in der Region Voronesh 500 Kilometer südöstlich von Moskau ein Feuer ausgebrochen, schreibt der Baptist Ivan Galitsyn. Starke Winde hätten das Feuer innerhalb von 15 Minuten erst in Richtung des neun Kilometer entfernten Dorfes Olkhovata getrieben. Als die Winde plötzlich drehten, sei das Feuer zurück gekehrt. Innerhalb von 45 Minuten seien 120 Häuser den Flammen zum Opfer gefallen, darunter auch sieben Häuser baptistischer Familien. Das Gemeindezentrum der Baptisten in Olkhovata sei jedoch überraschend verschont geblieben. „Wir tun alles, um die Not der Opfer zu lindern“, schreibt Galitsyn über das Engagement der Baptisten in Voronesh. Der Koordinator für  humanitäre Hilfe der Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten, Pastor Ruvim Voloshin, erklärte, dass die Baptisten mit ihren Hilfsaktionen nicht warten wollten, bis der Staat einspringe. Man habe deshalb Geld gesammelt, Kleidung für Schulkinder, Nahrung und Kohle für den Winter, um die Notleidenden schon jetzt zu unterstützen. Er verwies darauf, dass die nun obdachlos gewordenen Menschen bei Freunden und Verwandten unter gekommen seien. Auch die internationale Hilfe wird von den Baptistenzentrale in Moskau koordiniert. Auf einer Fläche von rund 1.200 Quadratkilometern wüteten in Russland rund 700 Feuer.

 

Andacht zum Monatsspruch Oktober

Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen. Offb 3,8 (L)

 

Es gibt so viele wunderschöne Motive von Türen – auf Fotos, Erinnerungsbildern, Karten. Eine Tür scheint etwas in uns zum Klingen zu bringen, dass wir sie uns gerne anschauen: schöne, alte, bunte, leicht geöffnete oder gusseiserne, geheimnisvolle Türen. Vielleicht, weil Bilder von Türen so sehnsuchtsvolle Bilder in uns anrühren? Oder weil Erfahrungen angerührt werden, wie es manchmal nur Bilder können?

Denn ja, es gibt da auch diese dunklen Erfahrungen, die schmerzlichen, die Erfahrung von verschlossenen Türen. Zum Beispiel wenn die Seele vor der Tür steht, weil mich buchstäblich jemand vor die Tür gesetzt hat oder mir jemand die Tür vor der Nase zugeknallt hat. Wenn jemand die Erkenntnis hat, diese Tür wurde für immer geschlossen und geht auch nicht mehr auf  - aus und vorbei. Oder wenn einem gesagt wird: Hau ab, da ist die Tür!

Verschlossenheit zu erleben ist etwas Furchtbares – aber etwas, was zu unseren Erfahrungen gehört: in Beziehungen in den Familien, zu Eltern oder Kindern, zu Arbeitskollegen, in Ehen und Freundschaften, in Gemeinden. Überall kann es passieren, dass Türen ins Schloss fallen und man sich fassungslos alleine vorkommt – was auch immer dafür die Gründe sein mögen.

Und nun dieser Satz Jesu, der ursprünglich an eine kleine Gemeinde gerichtet ist. Eine Gemeinde, die versucht hat ihr Bestes zu geben, aber auch oft nicht wusste, ob es reicht: „Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen.“ Ein Satz Jesu, der die größte zugenagelte Tür meines Lebens wieder aufweht. Und nicht weil dieser Satz alles verändert, sondern weil Jesus alles verändert. Jesus, die Tür zum Leben. Er selbst das Leben. Christus, der Raum schenkt und Offenheit gibt, wo wir gefangen sind oder festgelegt wurden. Die Tür in ein neues Leben. Dort steht niemand, der uns sagt: Hier darfst du nicht rein, hier gibt es keinen Platz für dich oder hier genügst du nicht. Eine Tür hat er aufgetan, die offen ist und niemand kann sie schließen.

Jesus Christus hat sich selbst so geöffnet und hingegeben, dass selbst die unüberwindbarste verschlossenste Tür von ihm geöffnet wurde. Selbst dem Tod hat er die Kraft genommen, weil das Leben, weil der Raum der Liebe stärker war. Dieses Bild von einer Tür tut uns gut – dieses hoffnungsgebende Bild, dass einlädt und weiterverschenkt werden darf: von einer offenen Tür, die Menschen einlädt zum Leben, zur Freiheit, in eine neue Offenheit.

 

Angela Klinge

Die Autorin ist Pastorin in Siegen.

 

 

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