Nachgedanken zu meiner Taufe.

10.03.2009 07:48

Mein Tauferlebnis – und jetzt …??
… jetzt ist sie schon wieder einige Zeit her, meine Taufe am 08. Februar 2009, gemeinsam mit meinem Mann Paul, mit Katharina und Martin, mit Klaudia und mit Bettina, Elke und Katja. - 8 Menschen waren wir an diesem Sonntag, die in ihrer weißen Taufkleidung aufgeregt darauf warteten, von unserem Pastor Klaus Schäfer im Namen Jesu getauft zu werden. Ein Erlebnis, dass wir als Baptisten im wahrsten Sinne bis auf die nasse Haut erleben durften.
Wie kam es dazu? Jeder von uns 8 Täuflingen hatte seine eigene, bewegende Geschichte, die ihn dazu geführt hat, wieder den „Privatweg Gottes“ zu betreten und zurück zu kehren zur Gemeinschaft mit unserem Gott Vater, seinem Sohn Jesus und dem guten heiligen Geist. Mein „Privat“ - Weg führte mich im Februar 2007 durch das Eingangstor der EFG, um mir, ganz weltlich, die Räume zur Organisation eines Gospel-Workshops anzusehen. Ich stand also draußen auf der Straße und wartete auf André, der das Tor öffnen sollte. Und da war es, das Gefühl, das jeder kennt, der längere Zeit von zuhause weg war, und der zurückkehrt und seine Haustüre öffnet : dieses wohlige Gefühl, wieder ZUHAUSE zu sein.
Dieses wunderbare Gefühl hat mich nie mehr verlassen, wann immer ich die Luisenstrasse 51 betrete - im Jahre 2007, zumindest dachte ich das, hauptsächlich der Gospelworkshops wegen, dann aber immer öfter auch „ohne Gospel“ zu den Gottesdiensten, bis mir eines Tages klar wurde, was dieses Gefühl des ZUHAUSE SEINS tatsächlich bedeutete. Ich war nach einem 5 Jahrzehnte langen Leben voller Irrungen und Wirrungen wieder bei meinem Vater, unserem Herrgott angekommen. Ganz behutsam hat er mich durch seinen Sohn wieder in seine Arme geführt. Und dazu hatte ich plötzlich auch noch das, was ich mein ganzes Leben lang gesucht hatte: die Geborgenheit einer Familie, hier nun durch die große Schar von Brüdern und Schwestern in der EFG Gemeinde! Diesen Weg auch noch gemeinsam mit meinem geliebten Mann gehen zu dürfen, ist natürlich noch ein zusätzliches, besonderes Erlebnis.
Wie so oft bei wichtigen Ereignissen, ging auch der Taufgottesdienst, der Taufakt im Speziellen, der Tag im Allgemeinen „viel zu schnell“ vorbei. So richtig „BEWUSST“ wurde uns, wurde mir die Tragweite dieses, im baptistischen Tauf-Sinne tatsächlich Todestages mit gleichzeitiger Wiederauferstehung nicht wirklich. Feierlich fühlte er sich an, der Gottesdienst – irgendwie anders, irgendwie besonders war er schon, dieser Sonntag. Und dennoch…
… endete dieser Tauf-Tag „ganz normal“ in unserem gemütlichen Sonntag-Abend Ritual. Und „so wie immer“ begann auch der nächste Wochentag mit der üblichen Routine und sehr viel Arbeit. Fühlte ich mich jetzt anders? Habe ich durch das Untertauchen plötzlich eine Lotushaut bekommen, die alles Böse von mir fern hält und all meine Unzulänglichkeiten abhält, nach außen zu dringen? Tue ich jetzt nur noch Gutes? Bin ich gefeit vor allen Sünden? Nein, natürlich nicht. Natürlich bin ich in meiner oft unbedachten Spontanität immer noch viel zu oft zu direkt, zu verletzend, zu ungeduldig, zu herrisch. Aber ich bin jetzt mit dem heiligen Geist erfüllt, der mir zeigt, dass es mal wieder des Guten zu viel war und der mir hilft, mich zurück zu nehmen und mich für meine falschen Worte entschuldigen zu können. Vor Allem aber hilft er mir, immer öfter vor einem unbedachten Satz inne zu halten und mich so, wenn auch ganz, ganz langsam, immer mehr von meinem alten Fehlverhalten zu entfernen.
Von Tag zu Tag spüre ich, dass ich mit einer immer größer werdenden Ruhe erfüllt werde. Ich lege mich nun jeden Abend hin, ich stehe nun jeden Morgen auf mit stillen Worten an unseren Herrn ob der großen Dankbarkeit, dass mein Leben so wunderbar geworden ist – äußerlich durch ein sehr, sehr gutes Leben mit einem wunderbar schwierigen, einfachen, lieben Mann an meiner Seite und innerlich durch die große Liebe, vor allem aber auch die unendlich große Kraft meines Vaters im Himmel. Und auch, wenn das „alte Verhalten“ immer noch zu großen Teilen meinen Alltag bestimmt, so steht mein Leben nun doch auf einer ganz neuen Grundlage – das Alte zählt nicht mehr.
Die Taufe ist eine Bekehrung – für mich ist sie vor allem eine Rückkehr gewesen. Und so, wie der verlorene Sohn nie ohne seinen Vater war, wenn er denn auch seinen Weg ohne ihn durch die Welt ging, so bin auch ich Jahrzehnte durch diese Welt geirrt, gereist, gegangen, immer wissend, dass es einen Vater gibt, der auf mich wartet, auf meine Rückkehr. Jetzt bin ich wieder in seinem Haus, bin wieder ZUHAUSE. Natürlich war ich zu lange weg und es haben sich einige „Eigenheiten“ eingeschliffen, die ich nun lerne wieder abzulegen. Aber mein Vater, mein Mann und meine EFG-Familie haben das Verständnis und die nötige Geduld, mir meine Fehler und Schwächen nachzusehen und mir zu helfen, von Tag zu Tag ein etwas besserer Mensch zu werden.


Helga Schäfer Düsseldorf,
den 10.3.2009

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