Zum 250. Todestag von Georg Friedrich Händel

19.04.2009 06:31

Als der gebürtige Hallenser Georg Friedrich Händel am 14. April 1759 in London starb, verloren gleich zwei Nationen einen ihrer größten Künstler, die Deutschen und die Engländer. Ein Porträt des Barock-Komponisten, dem man schon zu Lebzeiten in London ein Denkmal setzte!

Die erstaunliche Karriere des Georg Friedrich Händel begann in Halle an der Saale: Am 23. Februar 1685 wurde Georg Friedrich Händel dort im "Haus zum Gelben Hirschen" als Sohn eines auch bei Hofe geschätzten Mediziners geboren. Seinen ersten Unterricht bekam der außergewöhnlich begabte Knabe beim Organisten der halleschen Marktkirche: Friedrich Wilhelm Zachow unterwies ihn in Orgelspiel, Harmonielehre und Komposition. Der weltoffene Zachow machte ihn nicht nur mit der deutschen Musiktradition, sondern auch den Kompositionen neuer italienischer und französischer Meister bekannt.

 

Von Halle aus in die Welt

 

Einem Wunsch des Vaters folgend schrieb sich der junge Händel im Februar 1702 an der Universität in Halle ein, um Jura zu studieren. Doch nur vier Wochen später nahm er auch seine erste Stelle als Organist an der reformierten Schloss- und Domkirche an. Den gerade 17-Jährigen machte das Gehalt von 50 Reichstalern jährlich finanziell unabhängig. Doch offenbar wollte er nicht nur Kirchenmusik komponieren. Die Oper, die er am Hof in Weißenfels und der Bürgerstadt Leipzig kennengelernt hatte, sollte es sein.

Und so nahm der 18-Jährige Abschied von der Provinz und ging nach Hamburg. Auch die Bürger der weltoffenen Hafen- und Handelsstadt leisteten sich eine Oper, die vielerorts noch ein Vergnügen des Adels war. Als Geiger im Ensemble des Opernhauses am Gänsemarkt setzte Händel seine Karriere fort. Bald trat er auch als Cembalist, Kapellmeister und Komponist hervor: Vier deutschsprachige Opern entstanden in dieser Zeit, erhalten blieb seine erste: "Almira", aufgeführt im Februar 1705, nur zwei Monate später folgte "Nero". Die Premiere besuchte auch der Medici Prinz Gian Gastone, der ihn vermutlich nach Italien einlud.

Anfang 1706 brach der 21-jährige Händel ins Land des Belcanto, der Diven und Kastraten auf. Bald schon sorgte er mit seinen Orgelspiel- und Kompositionskünsten für Aufsehen. Er bereiste das Land, stand zeitweilig im Dienst des Marchese Francesco Maria Ruspoli in Rom, schrieb - da Opern dort vom Papst verboten waren - weltliche und geistliche Kantaten sowie Oratorien. Beeinflusst wurde er in dieser Zeit von Corelli, Scarlatti oder Carissimi, deren Bekanntschaft er machte. Bei den Medici in Florenz, wo das päpstliche Opern-Verbot nicht galt, komponierte er seinen "Rodrigo" (1707). Ein Triumph wurde die Uraufführung seiner "Agrippina" in Venedig (1709). Im Land der Oper hatte er wohl alles erreicht.

Nach einem Intermezzo als Kapellmeister beim Kurfürsten von Hannover ging Händel nach London, wo er fast 50 Jahre seines Lebens verbringen sollte. Zunächst war er 1711 nur zur Premiere seines "Rinaldo" im Königlichen Theater am Haymarket nach London gereist, mit 50 Aufführungen wurde es seine erfolgreichste Oper überhaupt.

Doch schon im Folgejahr ließ sich Händel in der Weltstadt nieder. Es entstanden Werke wie das "Utrechter Tedeum" unter dem Einfluss Purcells und der englischen Chormusik. Für seinen neuen Wirkungsort hatte Händel den Dienst in Hannover vorzeitig quittieren müssen, doch es gab ein Wiedersehen mit dem Kurfürsten aus Hannover, denn der bestieg 1714 als King George I. den englischen Thron. Händel versöhnte ihn mit einer pompösen Aufführung der "Wassermusik" auf der Themse. Er wurde Hofkapellmeister und stand gleichzeitig seinem Gönner, dem Herzog von Chandos in Cannons, zu Diensten, für den er eine Reihe repräsentativer Hymnen - Anthems - komponierte.

Der privilegierte Komponist aus Deutschland, der bald die ganze Londoner Musikszene dominieren sollte, bekam 1719 den Auftrag , ein königliches Opernhaus - die Royal Academy of Music - zu gründen, für das er zwischen 1720 und 1728 auch 14 italienische Opern schrieb, u.a. "Radamisto" (1729), "Giulio Cesare in Egitto" (1724) oder "Tamerlano" (1724). Doch in London begannen sich die Bürgerlichen durchzusetzen, die als "Adelsoper" geltende italienische Opera seria lehnten sie ab. Mit ihrer "Beggars' Opera" karikierten Gay und Pepusch die italienische Oper der Händelschen Art und landeten 1728 einen Riesenerfolg mit ihrer Geschichte von Dieben und Dirnen.

Das königliche Opernunternehmen wurde im selben Jahr wegen wirtschaftlichen Misserfolgs aufgelöst. Zwei Neugründungen scheiterten ebenso. Die harte Konkurrenz ging Händel an die Substanz. Nach einem gesundheitlichen Zusammenbruch 1737 entschloss er sich zur Aufgabe des Unternehmens Oper. Trotz der Niederlage wurde er 1738 mit einer besonderen Ehrung bedacht: Der Komponist wurde als lebensgroße Marmorstatue in den Vauxhall Gardens verewigt.

Ab 1740 wandte er sich mehr und mehr dem Oratorien-Schaffen zu. Sein "Messias", 1742 das erste Mal in London aufgeführt, sollte zu einem Standardwerk der überall blühenden Chorvereine und zu einer "zweiten Nationalhymne" werden. Außerdem trat er wieder mehr als Organist in Erscheinung und verblüffte durch seine Improvisationskünste. 1743 entstand das "Dettinger Te Deum" zur Feier des Sieges König Georgs II. über die Franzosen, zum Aachener Frieden 1748 komponierte er die "Feuerwerksmusik". Während der Arbeit an seinem Oratorium "Jephta" 1750 begann er zu erblinden, wie ein Eintrag auf der Partitur nahe legt. Acht Jahre später starb Händel in London, beigesetzt wurde er in Westminster Abbey. 3.000 Menschen nahmen teil. Er hinterließ ein umfangreiches Werk, darunter 40 Opern und 25 Oratorien, außerdem ein gewaltiges Vermögen, das mangels eigener Nachkommen seine Nichte in Halle erbte.

 

 

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