Zum 900. Todestag von Anselm von Canterbury

23.04.2009 06:52

 

Anselm von Canterbury kommt im Jahre 1033 in Aosta im italienischen Piemont zur Welt. Sein Vater ist Lombarde, seine Mutter Burgunderin. In jungen Jahren geht er nach Frankreich, um an verschiedenen Schulen zu studieren. Im Jahr 1060 tritt er als Novize in das Benediktinerkloster Bec in der Normandie ein. Lanfrank, der Prior des Klosters Bec, ist ein Landsmann Anselms und ein bekannter Lehrer. Schon nach drei Jahren wird Anselm zum Prior des Klosters ernannt und 1078 zum Abt gewählt.

Die Benediktinerabtei Bec hat Beziehungen zur englischen Kirche. Mittlerweile ist Lanfrank Erzbischof von Canterbury und damit Oberhaupt der Kirche Englands. Im Jahr 1093 wird Anselm sein Nachfolger in diesem Amt. Energisch versucht er, die englische Kirche zu reformieren. Anselm will sie vom englischen Königshaus unabhängiger machen und stärker an Rom binden. Das bringt ihn in Konflikt mit dem König und treibt ihn zweimal ins Exil. Im Jahr 1106 kehrt er nach England zurück. Die Zeit, die ihm noch verbleibt, ist jedoch kurz. Drei Jahre später, am 21. April 1109, mitten in der Karwoche, stirbt Anselm von Canterbury in eben jener Stadt, nach der er benannt ist.

Bis heute bekannt ist Anselm nicht so sehr für seine Reform der englischen Kirche, sondern vor allem für seine philosophisch—theologischen Studien. Er hinterließ eine stattliche Anzahl von Werken und eine umfangreiche Korrespondenz.

Während seiner Zeit in Bec verfasste Anselm die Schrift Proslogion. Ihr Ziel: die Existenz Gottes aufzeigen. Glaube und Denken sind für Anselm kein Widerspruch, sondern gehören untrennbar zusammen. Gott ist dasjenige, „über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann“. Mit diesem Gottesbegriff legt Anselm den Grundstein für seinen Gottesbeweis.

Anselms philosophisches wie theologisches Hauptwerk ist die Schrift Cur deus homo — Warum Gott Mensch wurde. Anselm begann diese Schrift zwischen 1094 und 1098, als er bereits Erzbischof von Canterbury war. Er arbeitete — unterbrochen durch sein erstes Exil — über mehrere Jahre hinweg an ihr. Die Schrift ist als Dialog angelegt, als Gespräch zwischen Anselm und einem Mönch namens Boso. Anselm argumentiert: Der Mensch hat durch seine Sünde Gottes Ehre verletzt und Gott beleidigt. Und weil diese Beleidigung nicht irgendwem galt, sondern eben dem heiligen Gott, darum kann der Mensch selber sie nicht wiedergutmachen. Nur Gott selber kann seine Ehre wiederherstellen. Eben dadurch, dass er in Jesus Christus Mensch wird und durch seinen Tod am Kreuz Genugtuung leistet für den Frevel der Menschen.

Auch wenn seine Ausführungen immer wieder Kritiker fanden - Anselm von Canterbury schrieb mit seinem Werk Theologiegeschichte.

[Foto: Wikipedia]

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