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04.06.2009 09:02

Helga Schäfer war nicht wirklich von der Kirche frustriert, als sie aus der Landeskirche ausgetreten war, nur desinteressiert. Das änderte sich schlagartig, als sie aus eher weltlichen Gründen mit ihrem Gospelchor einen Workshop in der Baptisten-Gemeinde an der Luisen Straße machte. „Ich hatte plötzlich das Gefühl, zuhause und wieder im Glauben angekommen zu sein“, sagt Schäfer.

  Vor allem die familiäre Atmosphäre der mit knapp 200 Mitgliedern eher kleinen Gemeinde trug dazu bei und gerade die sieht Pfarrer Klaus Schäfer (mit Helga Schäfer weder verwandt noch verschwägert) als eine der wesentlichen Stärken der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde an.
„Freikirche? Baptisten? Wer nicht näher über uns Bescheid weiß, hat oft Berührungsängste“, weiß Pfarrer Schäfer zu berichten. „Das legt sich dann aber meistens, wenn man miteinander spricht.“
Vieles in der Gemeinde ist ähnlich wie in einer landeskirchlichen evangelischen Gemeinde. Auch hier zählt der Glaube an Jesus Christus und die Bibel. Hauptunterscheidungsmerkmal aber ist die Taufe, wonach die Baptisten auch ihren Namen haben (griechisch „baptizein“ = „untertauchen“ oder „taufen“). Schäfer:„Bei uns werden keine Kinder getauft, sondern gläubige Erwachsene, wenn sie sich entscheiden, zur Gemeinde zu gehören.“ Der Täufling wird vollständig im Wasser untergetaucht. Ein festes Alter, ab wann man getauft werden kann, gibt es nicht.
Die Taufe und, dass die Kirche eher eine „Geh-Bewegung“ ist, das heißt zu den Menschen hingeht, als sie zu sich kommen lässt, hat den Baptisten früher oft den Vorwurf einer Sekte eingebracht. Schäfer: „Heute sind wir davon aber weg, denn wir leben unseren Glauben nicht isoliert, sondern in Gemeinschaft mit anderen Christen.“ Die evangelisch-freikirchliche Gemeinde - nicht zu verwechseln mit freien evangelischen Gemeinden, in denen auch die Kindertaufe akzeptiert wird - ist Teil der evangelischen Allianz und Mitglied des Arbeitskreises christlicher Kirchen in Düsseldorf. „Wir lernen einander kennen und fördern den kirchlichen Dialog“, sagt Schäfer.
Im Jahr 1834 hat Johann Gerhard Oncken in Deutschland die erste Baptisten-Gemeinde in Hamburg gegründet. Die Düsseldorfer Gemeinde an der Luisen Straße feiert dieses Jahr ihr 120-jähriges Bestehen. Sie ist nicht die einzige evangelisch-freikirchliche Gemeinde in Düsseldorf. Deutschlandweit gibt es etwa 87.000 Mitglieder, weltweit gehören die Baptisten mit etwa 37 Millionen Mitgliedern - überwiegend in Nordamerika, Afrika und Asien zu den großen protestantischen Religionen.
Kennzeichnend für die Baptisten ist auch das Wort „frei“. So tritt die Kirche für Religions- und Gewissensfreiheit ein sowie für die Trennung von Staat und Kirche. Schäfer:„Wer Mitglied wird, kommt freiwillig und kann auch jederzeit wieder austreten.“ Die Gemeinde ist unabhängig von der Landeskirche und finanziert sich ausschließlich über Spenden der Mitglieder, deren Höhe sie selbst bestimmen.
Die Gemeinde hat einen starken sozialen Zusammenhalt und laut Helga Schäfer „ein großes Miteinander, das man nicht missen möchte“. In Frauengruppen, einer Männerrunde, beim Kindertreff und dem Familiengottesdienst findet der regelmäßige Austausch statt. So etwas wie Konfirmation gibt es nicht, dafür aber Gemeindeunterricht für die Kinder, die daran Interesse haben.
Am kommenden Wochenende, 6. und 7. Juni, feiern die Baptisten an der Luisen Straße  ab 11 Uhr ihr 120-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür mit buntem Programm vom Trödelmarkt über Kinderschminken, einen Bewegungsparcours bis zum Gospelworkshop und einem Konzert des Männerchores (19 Uhr).  Sonntags geht es dann weiter mit einem Festgottesdienst um 10 Uhr und anschließendem Kirchencafé. Gäste sind willkommen.

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