Zwei Bünde unter einem Namen: Baptisten im Kalten Krieg 1955-1965 (Folge 7/12)

24.09.2009 15:18

Der Bundesrat beschloss 1960 in Berlin-Tempelhof, künftig jährlich zu tagen und lud für 1961 nach Berlin-Weißensee oder Leipzig und damit erstmalig in die DDR ein. Doch dann kam der 13. August 1961. In der BRD sprach man vom „Bau der Berliner Mauer“, in der DDR von der „Errichtung des antifaschistischen Schutzwalles“. Für die Bundesgemeinschaft hieß das weitere Trennung und zusammenzuhalten, wo es nur irgend möglich ist. An der Bundesleitungssitzung 1961 in München konnte kein Mitglied aus der DDR teilnehmen. Künftig wurde versucht, gemeinsame Sitzungen in Ost-Berlin zu halten, später Begegnungen genannt. Die geplante Bundesratstagung fiel aus. 1962 fand in Vollmarstein-Grundschöttel eine Bundesratstagung-West statt, 1963 eine Bundesratstagung-Ost in Leipzig. Beide Bundesräte beschlossen eine gegenseitige Freigabe für das jeweils von ihnen vertretene Gebiet. Aus Zweckmäßigkeitsgründen wurde in der DDR am Dreijahresturnus festgehalten.

Bereits vor 1961 war manche Trennung zu verkraften. 1957 war es nicht mehr möglich, Schwestern, die sich als Diakonisse berufen wussten, ins Mutterhaus Bethel nach West-Berlin zu senden. Es musste eine Ausbildungsmöglichkeit gesucht werden.- Auf dem Predigerseminar in Hamburg wurden auch die Studenten aus der DDR ausgebildet. Mit Ende des Studienjahres 1959 wurde das untersagt. Acht Studenten konnten noch ihr Studium abschließen, vier mussten es in der DDR fortsetzen. Es musste ein Seminar in der DDR gegründet werden. Auf Anraten des Staatssekretärs für Kirchenfragen geschah das mit 8 Studenten „vorübergehend“ im Diakonissenhaus Bethel in Buckow, Märk. Schweiz. 1986 (!) konnte dort ein eigenes Gebäude eingeweiht werden. Sowohl die Dozenten als auch die Studenten beider Seminare pflegten in allen Jahren regen Kontakt durch Treffen in Ost-Berlin. Ab 1961 fanden in West und Ost getrennte Theologische Wochen für die Pastoren statt.Weil auch ein Besuch der Bibelschule in Wiedenest nicht mehr möglich war, begannen die Brüdergemeinden 1960 mit einer derartigen Arbeit in Burgstädt (Sachsen).

1965 konnte der Bund die Evangelische Versandbuchhandlung Otto Ekelmann übernehmen. Eine Zusammenarbeit mit dem Oncken Verlag wurde immer erstrebt, war jedoch aus politischen Gründen schwierig. Bei personellen Veränderungen wurde möglichst der Dienst auch in der DDR besetzt. So 1957 für den Bundesvorsitzenden Jakob Meister Hans Fehr und Herbert Weist; für die Vorsitzende des Bundesfrauendienstes Auguste Meister Marianne Bambey und Anna Riechert; 1959 für den Bundesdirektor Paul Schmidt Dr. Rudolf Tauth (Johannes Düring wurde bereits 1958 von Rolf Dammann als Leiter der Bundesgeschäftsstelle Ost abgelöst); 1959 für den Bundesjugendwart Johannes Arndt Gerhard Claas und Klaus Fuhrmann.

Die internationalen Kontakte mussten der veränderten Situation angepasst werden. Beim Kongress der Europäischen Baptistischen Föderation 1958 in West-Berlin waren viele Teilnehmer aus der DDR, aber keiner 1964 in Amsterdam, weil die Ausreisevisa erst nach dem Kongress ausgehändigt wurden. Allerdings konnte Klaus Fuhrmann 1963 am Welt-Jugendkongress in Beirut teilnehmen. Die Sorge war dann immer, dass für den Länderaufruf auch eine DDR-Flagge vorhanden war. – Auch für die zwischenkirchlichen Beziehungen mussten die Gleise gelegt werden. 1960 fand in Zwickau noch eine gesamtdeutsche Konferenz der Vereinigung Evangelischer Freikirchen statt. Ab 1964 gab es getrennte Konferenzen, nachdem auch die einzelnen Gremien gebildet worden waren. Die 1948 gegründete Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen bildete 1963 eine Regionalgruppe Ost für die DDR. 1959 starteten die evangelischen Landes- und Freikirchen in beiden Teilen Deutschlands die Aktion “Brot für die Welt”, die zu einem gemeinsamen Zeugnis in der Welt und gegenseitiger Wertschätzung werden sollte.                                    Rolf Dammann

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