Gedenken zum 175. Geburtstag von Eduard Scheve

Gedenken zum 175. Geburtstag von Eduard Scheve

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern, liebe Brüder,

„Wie kann ich der leidenden Menschheit Hilfe bringen?", so lautet die Frage,
die Eduard Scheve zeitlebens beschäftigte. Heute, am 25. März 2011, wäre
Scheve, Gründungsvater des Diakoniewerk Bethel e.V. und Begründer des ersten
baptistischen Diakonissen-Mutterhauses in Deutschland, 175 Jahre alt
geworden. Mit der Würdigung seiner Verdienste wollen wir an seinen
Geburtstag erinnern.

Herzlich laden wir Sie deshalb zur Lektüre der beigefügten Anzeige ein.
Diese bildet den Auftakt einer vierteiligen Serie, die wir in DIE GEMEINDE
veröffentlichen. Damit wollen wir den Spuren Scheves folgen, dessen Gedanken
heute genauso aktuell sind wie damals.

Am 10. Januar 1909 starb Eduard Scheve in Berlin. In Gemeinde und Kirche ist
er für unsere tägliche Arbeit als Vorbild lebendig geblieben.

Bewahren wir ihm gemeinsam ein ehrendes Andenken!

Mit den besten Grüßen
Ihr

Karl H. Behle
Vorstandsvorsitzender des Diakoniewerk Bethel e. V.

 

Weichenstellung

Eduard Scheve entstammte einer eingesessenen Volmarsteiner Familie, deren Nachfahren noch heute zu den Einwohnern des Ortes gehören. Unter dem Einfluss des niederrheinischen Pietismus versuchte Scheve bereits als junger Mann, ein betont christliches Leben zu führen. In der Folge schloss er sich dem christlichen Jünglings- und Männerverein an, der unter der Leitung des seinerzeit landeskirchlichen Pfarrers Friedrich Ringsdorffs stand.

Die Vortragstätigkeit des deutsch-amerikanischen Theologieprofessors und Baptistenpredigers August Rauschenbusch bewirkte, dass Ringsdorff und mit ihm ein großer Teil des Jüngling- und Männervereins sich als  und zur Keimzelle der Volmarsteiner Baptistengemeinde wurden. 1854, nur fünf Wochen nach Gründung dieser Gemeinde, ließ sich auch Scheve von Rauschenbusch taufen.

Stationen seines Lebens

Als 20jähriger ging der gelernte Schneidergeselle Scheve auf die in Handwerkerkreisen übliche Wanderschaft. Er gelangte nach Hamburg und schloss sich dort im April 1856 der dortigen Baptistengemeinde an. Neben seiner beruflichen Arbeit engagierte er sich in verschiedenen Bereichen der Gemeinde und gründete in Hamburg-Bahrenfeld gegen den Widerstand der örtlichen Polizei eine florierende Sonntagsschule. Im Frühjahr 1857 wurde er erstmalig durch den Hamburger Gemeindevorstand beauftragt, in Rosenweide an der Elbe (heute ein Stadtteil von Stelle) einen baptistischen Gottesdienst zu leiten. Es folgten weitere Predigtdienste im Umkreis von Hamburg, bei denen recht bald seine Begabung zum Dienst als hauptamtlicher Missionar entdeckt wurde. Der Verband der nordwestdeutschen Baptistengemeinden (heute Baptisten im Nordwesten berief ihn auf Empfehlung der Hamburger Gemeinde zu ihrem Missionsarbeiter und wies ihm als Arbeitsfeld die am linken Unterweserufer liegenden oldenburgischen Ortschaften zu. 15 Predigtstationen hatte er in diesem Gebiet zu betreuen. Zentrum seines Wirkens wurde Brake.

Bei einer Predigerkonferenz, die im Februar 1859 in der Baptistenkapelle Felde bei Westerstede stattfand und an der auch Johann Gerhard Oncken teilnahm, wurde beschlossen, Eduard Scheve zu einem theologischen Kurs an die neu gegründete Hamburger Missionsschule zu entsenden. Nach erfolgreichem Abschluss trat Scheve wieder seine Stelle als „Missionsarbeiter“ im Oldenburgischen an, die er bis Juli 1863 versah.

Nach 1863 wirkte er im Raum Herford. 1864 wurde Scheve auf Betreiben der Lippischen Landeskirche „wegen unerlaubter Sakramentsverwaltung“ (Taufe, Abendmahl) inhaftiert. Er teilte damit das Schicksal vieler Freikirchler und Dissidenten dieser Zeit. Aufgrund einer Bürgschaft wurde Scheve nach sieben Tagen aus der Untersuchungshaft entlassen, musste sich aber für den anstehenden Gerichtstermin zur Verfügung halten. Am 13. Juni 1864 wurde er durch das Gericht in Bückeburg zu anderthalb Jahren Haft verurteilt. Nach einem Gnadengesuch beim schaumburg-lippischen Fürsten Adolf I. Georg wurde die Haftstrafe erlassen, dafür aber eine lebenslängliche Ausweisung für Scheve verfügt. Dieser Verfügung widersetzte sich Scheve. In seinen Lebenserinnerungen heißt es: „Aber es war mir kein Hindernis, ungestört in dem kleinen Ländchenvon Jesu zu zeugen, was ich auch rückhaltlos dem Richter erklärte.“

Scheve verließ sein Wirkungsgebiet und übernahm von 1867 bis 1880 den Pastorendienst der Baptistengemeinde in Köln. Anschließend wechselte er nach Wiesbaden.

1884 wurde Scheve zum Co-Pastor der Gemeinde Berlin, Schmidtstraße, berufen. Drei Jahre später kam es durch Scheves Initiative zur Gründung einer weiteren Berliner Baptistengemeinde im Ostteil der Stadt, der Gemeinde Gubener Straße, die mit 300 Mitgliedern bald selbständig wurde. Dieser Gemeinde blieb er bis an sein Lebensende als Pastor verbunden.

(Bericht & Foto: Wikipedia)