Zum 510. Geburtstag des württembergischen Reformators Johannes Brenz 24.06.1499

Zum 510. Geburtstag des württembergischen Reformators Johannes Brenz  24.06.1499

Jugend und Studium

Johannes Brenz wurde am 24. Juni 1499 in der Reichsstadt Weil der Stadt als Sohn des Martin Hess, genannt Brenz, geboren. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Bereits 1514 begann er ein Studium an der Universität Heidelberg. Der Auftritt Martin Luthers bei der Heidelberger Disputation am 26. April 1518 beeindruckte ihn tief; er war der Beginn einer lebenslangen, engen Verbindung. Von Heidelberg aus wurde er in die Reichsstadt Schwäbisch Hall zum Prediger an die Hauptkirche St. Michael berufen, wo er am 8. September 1522 seine Probepredigt hielt. Ob der Haller Rat mit dieser Berufung eine Reform der örtlichen Kirche anstrebte, ist nicht bekannt. Brenz begann aber schnell, reformatorisch zu wirken.

Durchsetzung der Reformation und Neuordnung der Kirche

Um Rat gefragt wurde Brenz auch zu vielen anderen Themen, mit denen er sich aus dem Blickwinkel des Theologen befasste. Hierbei kam ihm ein erhebliches juristisches Fachwissen zur Hilfe. Er befasste sich etwa für den Kurfürsten von der Pfalz während des Bauernkriegs mit der Rechtmäßigkeit der von den Bauern in den Zwölf Artikeln erhobenen Forderungen. oder später mit dem Widerstandsrecht gegen den Kaiser. Hervorhebung verdient seine Stellungnahme von 1528 zu der Frage, ob man die radikalreformatorischen Täufer hinrichten solle. Obwohl es Brenz bei seiner Antwort nicht um Tolerierung, sondern die Verhinderung von Exekutionen aus religiösen Gründen ging, spielte seine entschiedene Ablehnung eine wichtige Rolle in der Geschichte des Toleranzgedankens. Dieser Linie ist Brenz auch in Württemberg gefolgt, wo er sich mit dem Täuferprediger Kaspar von Schwenckfeld und dessen Anhängern auseinanderzusetzen hatte.

Ein anderes drängendes Problem war das der Hexenverfolgung; die Existenz von Hexen bestritt Brenz zwar nicht, warnte aber vor durch Folter erzwungenen Geständnissen und hielt es für besser, tausend Schuldige entkommen zu lassen, als einen Unschuldigen zu verurteilen. In diesem Sinne wirkte er auch 1562, als ein schweres Hagelwetter in Württemberg Rufe nach einer Hexenverfolgung ausgelöst hatte. Brenz deutete den Hagel als Strafe Gottes, so dass derjenige, der nach Bestrafung der Hexen schrie, sich selbst anklagen würde.

Wirkungskreis

Durch seine Korrespondenzen und seine Tätigkeit als Berater und Gutachter reichte der Wirkungskreis von Brenz weit über die Grenzen Schwäbisch Halls hinaus. Er erhielt immer wieder ehrenvolle Stellenangebote z.B. aus England, die er aber ablehnte. Weitere Beispiele sind die Reichsstadt Nürnberg, die früh evangelisch gewordenen Reichsritter um Dietrich von Gemmingen im Kraichgau, zu denen er enge persönliche Kontakte pflegte, und Markgraf Georg von Brandenburg-Ansbach, der ihn als Berater immer wieder hinzuzog. Die gemeinsame brandenburgisch-nürnbergische Kirchenordnung von 1533 ist im Wesentlichen sein Werk. Auch zu Herzog Ulrich von Württemberg hatte er nach dessen Rückkehr 1534 enge Kontakte, wirkte als Berater für die Einführung der Reformation und reorganisierte für diesen 1537 bis 1538 die Universität Tübingen.

Als „Luthers Mann in Süddeutschland“ spielte er in der Vertretung des Protestantismus und den inneren Auseinandersetzungen eine wichtige Rolle. Das Syngramma an Johannes Oekolampad ist ein frühes Beispiel. Im Abendmahlsstreit stellte er sich kompromisslos an die Seite Luthers und nahm mit diesem 1529 am Marburger Religionsgespräch teil, bei dem vergeblich eine Einigung mit den reformierten Theologen um Ulrich Zwingli versucht wurde. Nach seiner Teilnahme war er endgültig in den Kreis der wichtigsten protestantischen Theologen getreten und wurde in der Folge oft bei Religionsfragen hinzugezogen. So nahm er 1530 am Reichstag zu Augsburg teil und verfasste zusammen mit Philipp Melanchthon das Augsburger Bekenntnis, eine der zentralen protestantischen Bekenntnisschriften. 1537 beteiligte er sich am Schmalkaldischen Bundestag, ebenso an den Religionsgesprächen von Worms (1540) und Regensburg (1545/1546)

Trotz seiner vielfältigen Verpflichtungen fand Brenz die Zeit, ein umfangreiches Gesamtwerk zu verfassen, das ihn zu einem der produktivsten theologischen Autoren des 16. Jahrhunderts macht. Zu seinem Werk gehören zahlreiche Predigtdrucke und Predigtreihen, theologische Kommentare und anderes. Bis 1901 erschienen 681 Brenz-Drucke. Publizistischen Fehden mit katholischen und reformierten Autoren ging Brenz nicht aus dem Weg.

Familie

Einen persönlichen Bruch mit der alten Kirche markierte Brenz durch die Eheschließung mit Margarethe, der Tochter des Schwäbisch Hallischen Ratsherrn Caspar Gräter, einer Witwe des Haller Ratsherrn Hans Wetzel und Schwester des Pfarrers von St. Katharina, mit der er fünf Töchter und einen Sohn hatte. Durch diese Heirat wurde er in die bürgerliche Oberschicht Halls eingebunden. Seine zweite Frau Katharina, die er 1550 nach dem Tod Margarethes heiratete, war eine Nichte seines Kollegen Johann Eisenmenger. Zu seinen Nachfahren gehören Persönlichkeiten wie Dietrich Bonhoeffer,

Architekt der evangelischen Landeskirche Württembergs

Herzog Christoph von Württemberg, Sohn des 1550 verstorbenen Ulrich, machte Johannes Brenz zu seinem wichtigsten theologischen Ratgeber. Zwischen den beiden entstand ein enges Vertrauensverhältnis. 1553 erhielt Brenz das Amt des Stiftspropsts von Stuttgart. Seine wichtigste Aufgabe war nun, der evangelischen Kirche des Herzogtums eine organisatorische Form zu geben. Teil dieser Arbeit war z.B. die Reform der Klöster 1559, aus der die berühmten württembergischen Stiftsschulen hervorgingen, sowie der Neuaufbau einer auf den Fürsten ausgerichteten Kirchenorganisation. Diese Bemühungen mündeten in die „Große württembergische Kirchenordnung“ von 1559, in der sowohl die organisatorischen als auch die theologischen Grundlagen der Evangelischen Kirche Württembergs festgeschrieben wurden. Obwohl in vielem verändert, ist die württembergische Landeskirche bis heute durch diese im Wesentlichen von Brenz bestimmte, streng lutherische Form geprägt. Daneben nahm der Reformator sein Amt des Predigers in der Stuttgarter Stiftskirche wahr und hielt dort nicht nur an Sonn- und Feiertagen, sondern auch an den Wochentagen die Gottesdienste, sofern ihn seine vielen Reisen nicht davon abhielten. Eine wichtige Rolle spielte der Theologe auch bei dem Großen Württembergischen Landtag von 1565, als es ihm gelang, den Streit zwischen Landständen und Herzog um ein Widerstandsrecht gegen eine Religionsveränderung beizulegen.

Auch die Vertretung des Protestantismus nach außen blieb weiterhin eine Aufgabe. Brenz war maßgeblicher Autor des Württembergischen Bekenntnisses (Confessio Virtembergica), zu dessen Übergabe er 1552 mit einer evangelischen Delegation, das Konzil von Trient besuchte. Versuche, offizielle Gespräche zu erreichen, gelangen jedoch nicht. Auch im Ende der 1550er Jahre Jahr neu aufflammenden Abendmahlsstreit beteiligte sich Brenz publizistisch.

Am 11. September 1570 verstarb Johannes Brenz in Stuttgart an einer fiebrigen Krankheit. Mit seinem Tod trat die letzte der großen Reformatorenpersönlichkeiten und ein Lutherschüler der „ersten Stunde“ ab.

 

 

 

[Foto und Text: Wikipedia]