1. September 1939 Euthanasie Erlass

1. September 1939 Euthanasie Erlass

 

Als im Dritten Reich die deutsche Bürokratie alle Maßnahmen abgeschlossen hatte, die die Enteignung und Konzentration der Juden zum Inhalt hatte, gelangte das NS-Regime an eine kritische Schwelle. Jeder weitere Schritt würde das Ende der jüdischen Existenz im besetzten Europa bedeuten.

Im deutschen Schriftverkehr wurde das Überschreiten dieser Schwelle mit der "Endlösung der Judenfrage" umschrieben. Hinter dem Begriff "Endlösung" verbarg sich nichts anderes als der Tod. Das Ziel war: Die Tötung aller Juden, aller Menschen, die nicht arisch waren, die in den Augen der NS-Schergen "unwertes" Leben bedeuten.

So unterzeichnete Adolf Hitler am 1. September 1939 einen Befehl, nach dem die Ärzte und Psychiater die Macht besaßen, unheilbare Kranke, Geisteskranke und körperlich Behinderte den so genannten "Gnadentod" zu gewähren. Dieses "Euthanasie"-Programm bezog sich vor allem auf jüdische Bürger in Deutschland. Einer der Zeugen dieses Tötungsmaschinerie war der Leutnant der Wehrmacht Peter von der Osten:

"Es war immer ganz still, ich habe kein Schreien gehört, ich habe kein Jammern gehört. Sie wurden von den Deutschen zwar angetrieben, aber alles ohne Schreien. Es war so eine Todesstille könnte man sagen, die über dem ganzen lag, etwas sehr Bedrückendes."

Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten lebten die Juden in Deutschland in einem Schattendasein. Verbote und Schikanen wurden täglich erlassen. Der Jude Oskar Löwenstein hat überlebt und erinnert sich heute noch an seine Zeit in den 1930er Jahren in Berlin:

Oskar Löwenstein: "Kein Telefon, kein Grammophon, kein Radio, kein Fotoapparat, keine optischen Geräte außer einer Brille, die man tragen musste. Das warme Wasser wurde gesperrt, Fahrstuhl und Balkone durften nicht benutzt erden, keinen arischen Wellensittich, keine Blumen - alles war für Juden verboten, es war kein Leben mehr."

Das "Euthanasie"-Programm umfasste folgende drei Operationen: Mehr als 5000 mongoloide und spastisch gelähmte Kinder, die in Heimen lebten sollen getötet werden.

70.000 Erwachsene, darunter Geistesgestörte, Epileptiker und Körperbehinderte sollen ins Gas oder erschossen werden.

Die Ausdehnung der Tötungsmaschinerie, die erst nur im Deutschen Reich geplant war, auch auf die besetzten polnischen Gebiete.

Rozele Goldstein, ist eine Überlebende und ihre Erinnerungen an das Grauen kann sie bis heute nicht vergessen:

Rozele Goldstein: "Ich habe wirklich nichts mehr darauf gegeben, am Leben zu bleiben.

Als ich etwa fünf Minuten in der Grube lag, da dachte ich, der Tod wird noch kommen. Ich habe erst gemerkt, dass ich noch am Leben bin, als ich hörte, wie die Mörder singend und besoffen weggefahren sind."

"Wir haben uns um die Juden nicht gekümmert, es interessierte uns nicht. Uns interessierte unser Auftrag - wir haben von nichts was gehört, von irgendeiner Erschießung von Juden, Zigeunern oder Zivilisten", verteidigt sich heute noch der Hilfspolizist Jouzaz Maleksames, der an der Ermordung lettischer Juden beteiligt war.

Willig waren sie, wenn es um die Befehle von Oben ging, egal ob Kinder, Frauen oder Männer die Opfer waren, aus Krankenhäusern, Psychiatrischen Anstalten oder weil sie Juden, Zigeuner, Homosexuelle oder einfach nicht arisch waren.

Der Soldat Reinhold Emmer: "Sie können jetzt nicht das Gewehr umdrehen und sagen, was hier passiert, da musste dagegen gehen. Das geht nicht. Das ging nicht."

Die Deportationen in die Konzentrationslager in den Osten liefen seit Kriegsbeginn auf Hochtouren. Eisenbahnwaggons voller Menschen rollten Tag und Nacht nach Auschwitz, Treblinka, Sobibor oder Buchenwald. Die Gaskammern waren tag und Nacht in Betrieb.

Schon an der Rampe, wenn die überfüllten Züge ankamen, standen Ärzte, die den körperlichen Zustand der Deportierten begutachteten: zu alt, zu jung, krank, gebrechlich - Daumen runter, also direkt in die Gaskammern oder zum Erschießungskommando.

Wer noch halbwegs körperlich Strapazen durchstehen konnte, wurde zum Arbeiten abgeordnet. Die in den Augen der NS-Ärzte körperlich besonders auffällig waren, wie Kleinwüchsige, Zwillinge oder Menschen, die eine körperliche Behinderung hatten, wurden zu ärztlichen Experimenten ausgesucht. Qualvoll starben sie nach brutalen ärztlichen Versuchen.

Quelle DW-World