John Wyclif Gedenken zum 625. Todestag am 31.12.2009

John Wyclif  Gedenken zum 625. Todestag am 31.12.2009

John Wyclif genannt Doctor evangelicus (geboren  spätestens 1330 in Spreswell  in Yorkshire; verstorben am 31. Dezember 1384), war ein englischer Philosoph, Theologe und Kirchenreformer.

John Wyclif wirkte seit 1361 als Vorstand des Balliol College in Oxford. Während er hier als Doktor der Theologie das Recht hatte, theologische Vorlesungen zu halten, übernahm er ein geistliches Amt zuerst 1361 in Fillingham (Lincolnshire), 1368 in Ludgershall (Buckinghamshire) und 1374 in Lutterworth (Leicestershire). Im gleichen Jahr sandte ihn der König mit anderen Geistlichen nach Brügge, um dem päpstlichen Nuntius Beschwerden gegen den päpstlichen Stuhl vorzutragen. Insbesondere wurde der Kurie der Verkauf von Kirchenämtern vorgeworfen.

Wyclif proklamierte außerdem die Lehre von der „Macht allein durch Gnade”, der zufolge Gott selbst jede Autorität direkt verleiht, und bestritt den politischen Machtanspruch des Papstes. Er unterstützte die Säkularisierungsbestrebungen der weltlichen Herrscher, da er für Kirchenmitarbeiter ein Leben in urchristlicher Bescheidenheit propagierte.

Nicht minder groß war sein Einfluss auf die Zusammenstellung aller kirchlichen Beschwerden, die 1376 das Gute Parlament vortrug. Ein vom Papst 1377 gegen ihn eingeleiteter Prozess verlief bei dem großen Ansehen, das Wyclif an der Universität und im Volk genoss, 1378 im Sande. Dadurch ermutigt, wandte sich Wyclif nun offen gegen den politischen Einfluss des Klerus überhaupt und bekämpfte das päpstliche „Antichristentum“.

Er missbilligte Bilder-, Heiligen-, Reliquienverehrung und den Priesterzölibat, verwarf die Transsubstantiationslehre und die Ohrenbeichte. Von ihm ausgebildete Reiseprediger verbreiteten präevangelische Grundsätze im Volk. Seine Lehren fanden in großen Teilen der Bevölkerung Zustimmung und beeinflussten maßgeblich den Aufstand der englischen Bauern von 1381.

 

 

 

1418: Verbrennung von Wyclifs Gebeinen (Bild von 1563)

 

 

 

Bettelmönche im Verein mit der Hierarchie setzten 1381 unterdessen die Verwerfung seiner Lehre durch die Universität und die 1382 in London tagende Synode durch. Seine Schriften wurden von der Synode in Oxford als ketzerisch verurteilt, er verlor seine Kirchenämter. Aus Furcht vor einem Volksaufstand wurde Wyclif aber nicht angeklagt. Er führte sein Pfarramt fort und vollendete 1383 seine früher begonnene Bibelübersetzung aus der Vulgata in die Landessprache, die erste Übersetzung ins Englische.

Wyclif starb 1384 an den Folgen eines Schlaganfalls.

Das Konzil von Konstanz erklärte ihn 30 Jahre nach seinem Tod am 4. Mai 1415 zum Ketzer, verdammte 45 Artikel von ihm und befahl, seine Gebeine auszugraben und zu verbrennen, was 1428 geschah. Die Anhänger Wyclif’schen Gedankengutes, die Lollarden, wurden erst nach einer missglückten Revolte von der Kirche schärfer verfolgt. Jedoch kann man die teilweise brutale Inquisition europäischer Ketzer, wie z. B. bei den Katharern oder Waldensern, nicht mit der englischen Verfolgung vergleichen. Diese war durch ihre relative Milde und Rücksicht auf die im Untergrund weiter lebenden Lollarden geprägt, so dass sich in vielen Familien die Wyclif’schen Ansichten bis zur Reformation erhielten.

Zu Ehren John Wyclifs hat sich eine nichtkommerzielle evangelikale Organisation, die sich für die weltweite Verbreitung der Bibel durch Erarbeitung von Bibelübersetzungen vor allem für Sprachgruppen einsetzt, die bisher noch nicht schriftlich fixiert sind, den Namen Wycliff gegeben.

 (Foto und Text: Wikipedia)