Vor 60 Jahren entstand der Film "Ben Hur"

Vor 60 Jahren entstand der Film "Ben Hur"

Ben Hur ist ein US-amerikanischer Spielfilm von William Wyler aus dem Jahr 1959. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Lew Wallace. Der Monumentalfilm stellte zahlreiche Produktionsrekorde auf und wurde unter anderem mit elf Oscars ausgezeichnet. Diese Marke ist bis heute unübertroffen. Ben Hur war zudem der erste Film, bei dem intensiv mit der Bluescreen-Technik gearbeitet wurde. Mit einem Budget von 16 Millionen Dollar zählt Ben Hur - inflationsbereinigt - zu den aufwändigsten Produktionen der Filmgeschichte.

Handlung

Der Film schildert das Leben des fiktiven jüdischen Fürsten Judah Ben Hur, der zu Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. als Zeitgenosse Jesu Christi in Jerusalem lebt.

Ben Hurs Jugendfreund, der römische Soldat Messala, der ihn einst vor dem Ertrinken gerettet hat, wird Befehlshaber in Jerusalem und ist gewillt, jeden Akt der Rebellion im Keim zu ersticken. Die Wiedersehensfreude ist sowohl bei Judah, seiner Mutter Miriam und seiner Schwester Tirzah als auch bei Messala groß. Die Freundschaft der beiden Männer gerät jedoch in Gefahr, als Messala für den römischen Nationalstolz eintritt und von Judah verlangt, die Aufständischen zu verraten, was dieser jedoch ablehnt.

Als Judahs Verwalter Simonides zum jährlichen Rechenschaftsbericht erscheint, macht Judah die Bekanntschaft mit dessen Tochter Esther, die Ben Hur um Erlaubnis bittet, heiraten zu dürfen.

Als der neue Statthalter Gratus seinen Dienst in Jerusalem antritt, beobachten Judah und Tirzah vom Balkon ihres Hauses aus die Parade zu dessen Ehren. Als Gratus unter ihnen vorbeireitet, löst sich ein Ziegel vom Dach des Hauses und trifft den Statthalter. Die Römer verdächtigen Judah des Attentats; die Römer stecken seine Familie und seinen Verwalter ins Gefängnis, Judah selbst wird von Messala auf die Galeere geschickt, obwohl er weiß, dass sich der Dachziegel ohne menschliches Zutun von dem Dach gelöst hat und Judah unschuldig ist. Judah schwört nach seiner Rückkehr Rache an Messala, der trotz Judahs erwiesener Unschuld an seinem Jugendfreund ein Exempel statuieren will.

In einem Marsch durch die Wüste werden Judah und andere Verurteilte zu den Galeeren gebracht. Bei einer Rast in einem kleinen Dorf dürfen alle trinken; nur Judah wird das Wasser verweigert. Ein unbekannter Zimmermann gibt ihm Wasser zu trinken. Ein römischer Wachmann will dies verhindern, hält aber inne, als er sieht, wer Judah das Wasser zu trinken gibt.

Nach drei Jahren auf den Galeeren lernt Judah den neuen Befehlshaber Quintus Arrius kennen. Dieser ist beeindruckt von Ben Hurs unerschütterlichem Gottesglauben. Als eine Seeschlacht mit dem Feind droht, lässt Quintus Arrius Judah losketten. Bei der Schlacht sinkt Arrius' Schiff; Arrius selbst wird von Judah gerettet. Daraufhin will Arrius sich ins Schwert stürzen, weil er glaubt, er habe die Schlacht verloren; Judah verhindert dies aber. Nachdem ein römisches Schiff beide aufgelesen hat, erfährt Arrius, dass die Schlacht für ihn siegreich ausgegangen ist.

Arrius wird mit einem Triumphzug geehrt, Kaiser Tiberius erlässt Judah als Belohnung für die Rettung von Arrius' Leben die weitere Galeerenstrafe. Arrius nimmt Judah in sein Haus auf, und der jüdische Prinz wird zu einem berühmten Wagenlenker in Rom. Jahre später macht Arrius Judah anlässlich eines Festes zu seinem Adoptivsohn. Judah findet jedoch keine Ruhe, da ihn das Schicksal seiner Mutter und seiner Schwester quält. Wehmütig lässt Arrius ihn nach Jerusalem aufbrechen.

Auf seiner Heimreise trifft Judah auf Balthasar, einen alten Mann, der nach dem Erlöser sucht, um ihn mit eigenen Augen sehen zu können, sowie auf den arabischen Scheich Ilderim, der seine Pferde für Wagenrennen ausbildet. Scheich Ilderim erkennt Judahs Talent, mit Pferden umzugehen, und möchte mit ihm im römischen Zirkus Messala besiegen. Judah will jedoch auf seine eigene Weise an Messala Rache nehmen und zieht weiter.

Von Esther, die ihn voller Freude willkommen heißt, erfährt er, dass das Vermögen der Familie Hur eingezogen wurde und Esther sich mit ihrem Vater versteckt hält. Judah taucht bei einem überraschten Messala auf und fordert zu erfahren, was aus Miriam und Tirzah geworden ist. Dieser lässt die Frauen frei; doch stellt sich heraus, dass beide an Lepra erkrankt sind. Sie zeigen sich Esther, bitten sie jedoch, Judah nichts von ihrer Krankheit zu erzählen, woraufhin das Mädchen Judah sagt, die beiden seien gestorben.

Judah tritt mit Ilderims Pferden beim Pferderennen an, das er als Möglichkeit sieht, an Messala Rache zu nehmen. Judah geht aus dem Rennen als Sieger hervor; Messala wird tödlich verwundet. Im Sterben liegend, teilt er Judah mit, dass dessen Mutter und Schwester nicht tot sind, sondern sich im Tal der Aussätzigen befinden. Als Judah dort nach ihnen sucht, trifft er auf Esther, die ihnen gerade Essen bringt. Mit Mühe kann sie Judah davon abhalten, sich bei Miriam und Tirzah zu erkennen zu geben.

Judah ist weiterhin von Rache beseelt; Esther dagegen folgt den Worten des Friedens, die von einem Nazarener namens Jesus gepredigt werden, und beschwört Judah, seinen Hass ruhen zu lassen. Als sie wieder im Tal der Aussätzigen ist und Judah überraschend auftaucht, beschließen sie, Miriam und Tirzah zu dem jungen Nazarener zu bringen. In der Stadt erfahren sie jedoch bestürzt, dass diesem der Prozess gemacht wird. Auf dem nun folgenden Kreuzweg erkennt Judah Jesus als den Mann wieder, der ihm einst in der Wüste Wasser zu trinken gegeben hat. Als Jesus zu Boden stürzt, will Judah ihm Wasser zu trinken geben, wird aber von einem römischen Soldaten weggestoßen.

Judah wird bestürzt Zeuge von Jesu Kreuzigung. Balthasar schildert das Geschehen nicht als Ende, sondern als Anfang. Während Jesu Sterben zieht ein großes Unwetter auf; Miriam und Tirzah werden von ihrer Lepra geheilt. Zuhause berichtet der bewegte Judah Esther von der letzten Bitte des Nazareners am Kreuz: der Bitte um Vergebung für seine Peiniger, die nicht wissen, was sie tun.

Historische Fakten

Vergleicht man die Darstellung Judäas und des römischen Reiches in Ben Hur mit wissenschaftlichen Erkenntnissen über diese Zeit, kann man viele historische Fehler feststellen, obwohl der Verleih beim Erscheinen betonte, ein realistisches Bild der Zeit Jesu Christi (ca. 7 v. bis 30 n. Chr.) zu zeichnen. Wie Marcus Junkelmann in seinem Werk „Hollywoods Traum von Rom“ (sh. Literatur) darstellt, blieb die Romanvorlage sowie die Produktion des Films bei der Gesamtausstattung und Umsetzung meist weit hinter den schon damals bekannten archäologischen und historischen Tatsachen zurück. Gerade beim Wagenrennen gibt es bei der Darstellung eines antiken Zirkus sowie bei der Kleidung der Wagenlenker Mängel, die bei der ersten monumentalen Verfilmung dieses Stoffes, in Fred Niblos Ben Hur von 1925, vermieden wurden.

Sergio Leone war während der Dreharbeiten erster Assistent von Wyler. Er berichtet, dass der Regisseur nach Fertigstellung der Kostüme und Kulissen eine historische wissenschaftliche Beraterin einlud, alles nach authentischen Gesichtspunkten zu überprüfen. Am Ende des Rundganges fragte Wyler sie: „Was soll ich machen, damit das noch echter wird?“ Die Expertin schüttelte den Kopf und meinte: „Man müsste alles verbrennen!“

Neben diesen historischen Ungenauigkeiten, welche in der filmischen Umsetzung Wylers gefunden werden können, sind es aber auch die schriftstellerischen Freiheiten des Romans selbst, welche fehlende geschichtliche Authentizität offenbaren. Als Beispiel sei die Galeerensequenz erwähnt. In der Antike war die Galeerenstrafe unbekannt, denn römische Kriegsschiffe wurden von gut ausgebildeten und bezahlten Seesoldaten gerudert. Es bedeutet hartes Training und viel Geschick, eine große Galeere gleichmäßig zu rudern, und bei der Professionalität der römischen Armee wollte man nichts dem Zufall überlassen. Außerdem wurde zur Zeit Jesu zumeist nicht mehr gerammt. Octavians Admiral Agrippa hatte schon einige Jahrzehnte vor der Zeitenwende einen Rammschutz eingeführt.

Eine historische Unmöglichkeit, die ebenfalls auf den Roman von Wallace zurückgeht, ist die Beteiligung von zwei Mitgliedern der römischen Oberschicht an einem öffentlichen Rennen. Als Angehöriger der jüdisch-hellenistischen Oberschicht wäre es Ben Hur zwar möglich gewesen, Rennen zu fahren, doch nicht als Adoptivsohn eines römischen Senators, zumal er – laut Roman – unter dessen Augen schon im Circus Maximus gefahren sein soll. Bei dem Rennen gegen Messala kommt dann auch ein reines Phantasieprodukt zum Einsatz, ein „griechischer“ Wagen, dessen rotierende Sägemesser die Speichen des gegnerischen Wagens zerstören sollen.

(Text bei Wikipedia)