Gedenktag zum 450. Todestag am 19.04.1560 von Philipp Melanchthon.

Gedenktag zum 450. Todestag am 19.04.1560 von Philipp Melanchthon.

Philipp Melanchthon, eigentlich Philipp Schwartzerdt,  geboren am  16. Februar 1497 in Bretten gestorben am  19. April 1560 in Wittenberg, war ein Philologe, Philosoph, Humanist, Theologe, Lehrbuchautor und neulateinischer Dichter.

Er war als Reformator neben Martin Luther eine treibende Kraft der deutschen und europäischen kirchenpolitischen Reformation und wurde auch „Praeceptor Germaniae“  genannt.

Melanchthon wuchs in Brettheim auf, wie Bretten damals genannt wurde. Sein Großvater sorgte für eine gründliche Erziehung, vor allem durch Unterweisung in lateinischer Sprache durch Johannes Unger aus Pforzheim. So kommt er schon frühzeitig mit durchreisenden Scholaren in Kontakt und konnte mit diesen diskutieren. Im Landshuter Erbfolgekrieg gegen die Hessen war sein Vater mit der Betreuung der Geschütze betraut. Als er von einem vergifteten Brunnen trank, kehrte er als kranker Mann nach Hause zurück. Einzig seine tiefe Religiosität half ihm dieses Schicksal und das darauf folgende Siechtum zu ertragen. Mit dem Tod seines Großvaters am 17. Oktober und dem Tod seines Vaters am 27. Oktober 1508  sowie dessen bewegendem Abschied war Melanchthons Kindheit beendet.

Als Elfjähriger wurden er und sein Bruder Georg nach Pforzheim in das Haus ihrer Großmutter Elisabeth Reuchlin gebracht.

 

 

Bildungsweg

 

Anschließend besuchte er, gemeinsam mit seinem Bruder Georg, die Lateinschule in Pforzheim und wohnte bei seiner Großmutter Elisabeth Reuter, der Schwester Johannes Reuchlins. Die Lateinschule hatte durch den Rektor Georg Simler aus Wimpfen und Johannes Hildebrand aus Schwetzingen hohes Ansehen und gewaltigen Zulauf.   Eine große Anzahl der aus dieser Schule hervorgegangenen Schüler wie beispielsweise Simon Grynaeus haben sich in ihrem späteren Leben einen Namen gemacht. Der Begabteste soll jedoch Melanchthon gewesen sein, der nebenher auch noch Griechisch lernte und aufgrund seiner bereits in Bretten erworbenen Kenntnisse mühelos die Anforderungen der Lehranstalt bewältigen konnte. Durch seine lateinische Versdichtung und seine Fortschritte in der griechischen Grammatik fiel er dem in Stuttgart lebenden und in Tübingen als oberster Richter des schwäbischen Bundes tätigen Johannes Reuchlin auf.   Als Gelehrter der Altgriechischen Sprache führte Reuchlin später das Griechischstudium in Deutschland ein und richtete die erste Professur 1515 in der Universität Leipzig ein. Er sollte in der Folge Melanchthons größter Förderer werden. Die Lehre der griechischen Sprache wurde zum Zeitpunkt der Begegnung nur sehr selten und nur besonders begabten Schülern vermittelt. Daher gab es noch kaum Literatur zu dieser Thematik.

Reuchlin schenkte Melanchthon ein Exemplar einer griechischen Grammatik und schrieb ihm eine Widmung hinein, die auf Deutsch lautet: „Diese griechische Grammatik hat zum Geschenk gemacht Johannes Reuchlin aus Pforzheim, Doktor der Rechte, dem Philipp Melanchthon aus Bretten, im Jahr 1509 an den Iden des März.“

Damit verlieh Reuchlin dem Philipp Schwartzerdt am 15. März 1509 den Humanistennamen Melanchthon, eine griechische Umsetzung des Geburtsnamens Schwartz.  Nach knapp einem Jahr konnte Melanchthon zwölfjährig im Oktober 1509 die Universität Heidelberg beziehen. In Heidelberg fand er im Hause des Pallas Spangel Unterkunft, wo Jakob Wimpheling gelegentlich abstieg.   Bereits in Pforzheim hatte er von dessen Schriften zur Reform der Lehr- und Unterrichtsmethoden Kenntnis erhalten und machte ihn mit den Schriften des Erasmus von Rotterdam vertraut.

1510 veröffentlichte Melanchthon in Wimphelings Büchern seine ersten lateinischen Gedichte.   Durch seine hohe Begabung bewältigte Melanchthon das Studium in Heidelberg problemlos und erwarb zum frühest möglichen Zeitpunkt am 10. Juni 1511 den ersten akademischen Grad eines Baccalaureus artium.  Am 17. September 1512 wechselte Melanchthon aus Altersgründen an die Universität Tübingen.   Dort studierte er Astronomie, Musik, Arithmetik und Geometrie.   Zugleich beschäftigte er sich mit Griechisch, Hebräisch und Latein.

Er las antike Autoren sowie humanistische Dichter und machte Bekanntschaft mit neuen Lehrmethoden.

So lernte er auch die Schriften von Rudolf Agricola zur Logik kennen und entnahm ihnen ein neues Verständnis der Dialektik.   Zusammen mit Franciscus Irenicus gehörte er dort zu den Neckargenossen.

Als Reuchlin durch ein Gutachten über das hebräische Schrifttum in einen Prozess verwickelt wurde, setzte Melanchthon sich für seinen Förderer publizistisch ein.   Am 25. Januar 1514 schloss er sein Studium an der philosophischen Fakultät mit dem Magistertitel ab.    Bereits in Tübingen war er als Tutor zweier Grafensöhne tätig gewesen und wirkte als Griechischlehrer.   Somit war der Übergang vom Lernenden zum Lehrenden bei Melanchthon fließend erfolgt.   In die Tübinger Zeit fallen auch Melanchthons eigene erste Publikationen, so 1516 eine Ausgabe des lateinischen Komödiendichters Terenz, samt einer Einleitung über die Geschichte der antiken Komödie, des Weiteren 1518 eine griechische Grammatik, die bis 1544 neunzehn Auflagen erlebte.   Und letztlich arbeitete er an einer Rhetorik, die 1519 in Wittenberg herauskam. Als Martin Luther 1517 seine 95 Thesen veröffentlichte, fand am 26. April 1518 eine Heidelberger Disputation über die Grundlagen seiner Forderungen an der Universität statt, die auf Melanchthon entscheidenden Eindruck hinterließ.   Daher begab dieser sich mit seinen Studienkollegen nach Wittenberg, um sich die Ansichten Luthers näher erläutern zu lassen.   Fortan war Melanchthon gegenüber dem reformatorischen Gedankengut aufgeschlossen. 1518 stiftete Kurfürst Friedrich der Weise an seiner 1502 gegründeten und mehrfach reformierten Universität Wittenberg einen Lehrstuhl für Griechische Sprache.

Zunächst versuchte man für den neu eingerichteten Lehrstuhl den damals bekanntesten Gräzisten Johannes Reuchlin zu gewinnen.   Dieser lehnte jedoch aus Altersgründen ab und empfahl seinen geförderten Zögling Melanchthon für die Stelle.   Da Melanchthon während seiner Tübinger Zeit bereits auf sich aufmerksam gemacht hatte, nahm man die Empfehlung Reuchlins an und trug Melanchthon die Aufgabe auf.   Dieser verabschiedete sich von seinen bisherigen Wirkungsstätten und erreichte Wittenberg am 25. August 1518.   Seine schmale und kleine äußere Gestalt von 1,50 Metern, verbunden mit einem kleinen Sprachfehler, beeindruckte die Wittenberger zunächst wenig.   Als jedoch Melanchthon seine ausgefeilte und flammende Antrittsrede  am Samstag, dem 28. August, in der Schlosskirche von Wittenberg hielt, schlug der erste Eindruck völlig um.  Melanchthon sprach über eine Universitätsreform und malte zunächst ein düsteres Bild der Bildung vergangener Jahrhunderte.   Er verfolgte den Leitgedanken, dass die Lektüre der antiken Schriftsteller aus den ursprünglichen Quellen durch humanistische Studien zum Quell neuen Lebens und Denkens werden könne.   Damit traf er den Puls der Zeit im damaligen Wittenberg, und Martin Luther war sogleich fasziniert von dem kleinen Graeculus, Griechlein.    Diese Faszination beruhte auf Gegenseitigkeit und wurde in der Folge zu einer der wichtigsten Kooperationen der Reformation, die erst mit Luthers Tod endete.  Schnell erkannten auch die Studenten, welches Potenzial Melanchthon in sich barg; er war daher ein überaus beliebter Universitätslehrer.

Er lehrte griechische Grammatik, las über antike Autoren, erklärte biblische Bücher und verband dies mit Wissensbildung auf zahlreichen Gebieten.   Oft hatte er bis zu 400 Zuhörer, die vor allem seine präzise Sprache, die Fülle an Beispielen und die klare Gliederung seiner Ausführungen schätzten.  Durch den Einfluss Luthers erwarb Melanchthon den akademischen Grad eines baccalaureus biblicus am 19. September 1519.   Dadurch war er befähigt, auch an der theologischen Fakultät Vorlesungen zu halten.   Obwohl Melanchthon zeitlebens davon Gebrauch machte, bevorzugte er jedoch die philosophische Bildung, die man als Voraussetzung der theologischen Bildung verstand.

Als man ihm 1525 eine besonders gut dotierte Professur schuf, die ihn von den Fakultätszwängen befreite, änderte sich hier auch nicht des Praeceptors Einstellung.   Es ist hierin kein mangelndes Interesse gegenüber der Kirche zu sehen.   Vielmehr fühlte sich Melanchthon aufgrund seiner körperlichen Schwäche und seines Sprachfehlers nicht zum Priester berufen, was auch die Tatsache erklärt, dass Melanchthon nie die christlichen Sakramente gereicht hat.

Vielmehr war für ihn das geistige Potential der Theologie wichtig, und so stieg unter seiner Mitwirkung neben Luther die Universität Wittenberg zur bedeutendsten Universität in Europa auf.

 

Familie

 

Melanchthon mietete sich nach seiner Ankunft in Wittenberg ein schlichtes Haus, das er oft auch als Bude bezeichnete.

Dort wohnte er mit seinem Gehilfen zusammen.   Luther fürchtete jedoch um die Gesundheit Melanchthons, die durch die Männerwirtschaft offensichtlich beeinträchtigt wurde.   Um Melanchthons Lebensumstände zu verbessern, aber auch um ihn in Wittenberg zu halten, suchte Luther für Melanchthon 1520 eine Frau.   Von dieser Idee war Melanchthon jedoch nicht sehr begeistert. Der junge arbeitswütige Professor fürchtete um den Fortgang seiner Studien.

Jedoch gelang es Luther, dass er endgültig am 27. November 1520 Katharina  die Tochter des Hans Krapp eines Tuchhändlers und Bürgermeisters von Wittenberg und seiner Frau Katharina , heiratete.

Luther, der selbst eine eigentlich ungewollte Ehe einging, wusste um die Wirkung eines Zusammenlebens und so geschah es auch, dass sich bei Melanchthon und seiner Frau durch das allmähliche Kennenlernen eine Gemeinschaft bildete, in der sich die beiden schätzen lernten.  Obwohl seine Frau aus einem angesehenen Hause stammte und Melanchthon als Professor an der Universität gut verdiente, gab es im Hause Melanchthon nie einen größeren Wohlstand.   Ständige Besuche von Universitätsangehörigen, die sich bei diskutierenden Tischrunden im Hause Melanchthons versammelten, junge Studenten, die Melanchthon in seiner „schola domestica“ als persönlicher Mentor unterrichtete und versorgte, schmälerten das finanzielle Budget des Haushalts. Melanchthon erlangte durch sein Wirken in Wittenberg bald ein so hohes Ansehen, dass ihm Angebote anderer Universitäten in Deutschland und Europa unterbreitet wurden.   Johann Friedrich der 1. von Sachsen wollte jedoch den angesehenen Professor in Wittenberg halten und errichtete auf dem Grundstück seiner Bude 1536 ein standesgemäßes Haus, das wir heute als Melanchthonhaus in Wittenberg kennen.   Als die Familie 1537 in dieses Haus einzog, hatte das Ehepaar bereits die Kinder Anna, Philipp, Georg  und Magdalena.   Als Familienvorstand widmete er sich mit Hingabe seinen geliebten Kindern und die Sorge um die Kinder schweißte das Ehepaar Melanchthon zusammen.   Als Vater litt er an schlaflosen Nächten, als sein zweiter Sohn Georg bereits nach zwei Jahren verstarb und als seine Tochter, die er selbst allseitig bildete, eine unglückliche Ehe mit Melanchthons einstigem Schüler Georg Sabinus einging.   Das Zusammenleben mit Melanchthon war jedoch nicht immer einfach.   So konnte er, wenn es ihm gegen den Strich ging, recht jähzornig werden.   Dies bekam auch sein Sohn Philipp zu spüren, als er sich heimlich mit der Leipzigerin Margaretha Kuffner verlobte, was der Vater nicht in einer Ehe enden ließ.  Last und Sorge bereiteten dem stets Verantwortung für andere Menschen empfindenden Melanchthon seine Pflichten als Hausvater und Ehemann.   Getragen wurde er von der ungebrochenen Zuversicht in Gottes Fürsorge und Barmherzigkeit, die er gerade auch durch die Familie zu erfahren glaubte.   So wuchs Melanchthon langsam in seine Existenz als Ehemann und Hausvater hinein.

In seiner Frau fand er eine fürsorgliche Ehefrau, die ihren von Arbeit und Verantwortung geschwächten Ehemann pflegte.   Als sie am 11. Oktober 1557 verstarb und der langjährige Familienfreund Joachim Camerarius der Ältere dies Melanchthon der in Worms beim letzten großen Religionsgespräch weilte, am 27. Oktober mitteilte, empfand er großen Verlust und sehnte sich danach, ihr bald folgen zu können.

 

 

Krankheit und Tod

 

Melanchthon war von zarter Statur und erweckte stets den Eindruck starker Gefährdung.   Dies wurde verstärkt durch seine leise Stimme.   Im krassen Gegensatz dazu stand seine Arbeitsleistung und Zähigkeit bei Verhandlungen.

Die ständige Überbelastung blieb nicht ohne Folgen.    Schon von Jugend an litt er unter Schlaflosigkeit, die sich besonders in Stresssituationen verstärkte.   Des Weiteren war sein gestresster Magen auf eine ausgewogene Schonkost angewiesen.  Im Frühsommer 1540 blickte er bereits dem Tod ins Auge, als er auf der Reise zum Hagenauer Religionsgespräch in Weimar erkrankte.   Luther eilte zur Trostspende zu ihm. Melanchthon war bereits in Ohnmacht gefallen und lag vor Luther mit eingefallenem Gesicht und gebrochenen Augen.   Jedoch konnte sich Melanchthon von diesem Schwächeanfall wieder erholen und setzte seine Arbeit weiter fort.   Als er sich im März 1541 auf einer Reise nach Regensburg befand, stürzte sein Reisewagen um und er erlitt schwere Verletzungen.   Seit jener Zeit war er durch die erlittene Verletzung beim Schreiben behindert.  Von einer Reise nach Leipzig im Jahre 1560 kam er erkältet am 4. April zurück.   Während der Nacht vom 7. zum 8. April bekam er Fieber, das mit kurzen Unterbrechungen immer wiederkehrte.

Trotz der Betreuung durch seine Tochter Magdalena und seinen Schwiegersohn Dr. Caspar Peucer nahmen seine Kräfte immer mehr ab.   Am 19. April sammelten sich die nächsten Angehörigen, seine Tochter Magdalena, deren Mann Caspar Peucer und der Hausfreund Joachim Camerarius um Melanchthon in seinem Haus, um ihm das letzte Geleit zu geben.   Vor dem Hause versammelten sich die Studenten und beteten für ihren Professor.   Gegen 19 Uhr wurden Hände und Füße kalt und sein Puls setzte aus.  Nach einer Gedächtnisrede des Medizinprofessor Veit Winsheim fand er an der Seite seines einstigen Mitstreiters Martin Luther in der Schlosskirche Wittenbergs seine letzte Ruhestätte.

 

(Text und Foto bei Wikipedia)