Zum 125. Geburtstag von Romano Guardini

Zum 125. Geburtstag von Romano Guardini

Romano Guardini wurde am 17. Februar 1885 in Verona geboren. Seine Mutter Paola Maria stammte aus Südtirol, sein Vater Romano Tullo war Geflügelgroßhändler. Die beiden hatten neben Romano noch drei weitere Söhne. 1886 siedelte die Familie nach Mainz über, so dass Guardini dort zur Schule ging und 1903 am Humanistischen Gymnasium in Mainz die Reifeprüfung ablegte.

Nachdem er zwei Semester Chemie in Tübingen und drei Semester Nationalökonomie in München und Berlin studiert hatte, entschied er sich katholischer Priester zu werden. Gemeinsam mit seinem Schulfreund Karl Neundörfer begann er schon damals eine eigene Gegensatzlehre zu entwickeln. Sein Theologiestudium absolvierte er in Freiburg im Breisgau und Tübingen. 1910 erhielt er in Mainz die Priesterweihe, arbeitete kurze Zeit als Seelsorger, bevor er erneut nach Freiburg im Breisgau ging, um in Theologie bei Engelbert Krebs zu promovieren. 1915 erhielt er den Doktortitel mit einer Arbeit über Bonaventura. 1922 folgte dann – während er weiter in der Seelsorge vor allem für Jugendliche tätig war – die Habilitation für Dogmatik in Bonn, erneut mit einer Arbeit über Bonaventura. Er verbrachte einen Teil seiner Bonner Zeit im Herz-Jesu-Kloster in Bonn–Pützchen.

Er arbeitete in der katholischen Jugendbewegung mit, ab 1920 vor allem im Quickborn, deren geistliches Zentrum die Burg Rothenfels am Main war. Alsbald wurde er zum geistlichen Mentor der Quickborner. Von 1927 bis 1933 war er Mitglied der Bundesleitung, von 1927 bis zur Konfiszierung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1939 Burgleiter.

1923 wurde er auf den Lehrstuhl für Religionsphilosophie und Christliche Weltanschauung an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität zu Berlin) berufen, den er bis zur erzwungenen Emeritierung 1939 durch die Nationalsozialisten innehatte. 1935 hatte er sich in seiner Schrift Der Heiland offen gegen die von den nationalsozialistischen Deutschen Christen propagierte Mythisierung der Person des Jesus gewandt und dagegen die enge Verbundenheit von Christentum und „jüdischer Religion“ aus der existenziellen Historizität Jesu heraus begründet. 1943 bis 1945 zog er sich nach Mooshausen zurück, wo sein Freund Josef Weiger Pfarrer war und sich schon seit 1917 ein Freundeskreis gebildet hatte.

1945 wurde Guardini an die Philosophische Fakultät der Eberhard Karls Universität in Tübingen berufen und lehrte dort wieder über Religionsphilosophie und christliche Weltanschauung. 1948 folgte er schließlich einem Ruf der Ludwig-Maximilians-Universität nach München, wo er bis zur Emeritierung erneut Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie lehrte. 1962 beendete Guardini die Vorlesungstätigkeit an der Universität München aus gesundheitlichen Gründen.

Die letzten Lebensjahre war der ohnehin von Schwermut geplagte Guardini häufig krank. Dadurch konnte er auch nicht wie vorgesehen als Theologe in der Liturgie-Kommission des Zweiten Vatikanischen Konzils eintreten.

Die gelegentliche Behauptung, Papst Paul VI. habe Guardini zum Kardinal erheben wollen, dieser habe aber altersbedingt abgelehnt, darf als durch Manfred Lochbrunner widerlegt gelten.

Am 1. Oktober 1968 starb Romano Guardini in München. Er wurde auf dem Priesterfriedhof des Oratoriums des Hl. Philipp Neri in München (St. Laurentius) beigesetzt. 1997 wurde der Leichnam Romano Guardinis durch Weihbischof Tewes in die Münchner Universitätskirche St. Ludwig übertragen im Angedenken an seine Tätigkeit an der Münchner Universität und seine große Predigttätigkeit in dieser Kirche. Den Nachlass verwaltet die von Guardini selbst mitbegründete Katholische Akademie in Bayern.

Guardini gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der katholischen Weltanschauung des 20. Jahrhunderts, besonders in den Bereichen der Liturgie, der Religionsphilosophie, der Pädagogik, der Ökumene und der allgemeinen Geistesgeschichte. Seine christlich-existentiellen Auslegungen kirchlicher und weltlicher Philosophen und Dichter wie Rilke, Raabe und Dostojewski wurden und werden sowohl von Katholiken wie von Protestanten geschätzt.

Die Eindringlichkeit und anschauliche Differenziertheit seiner existentiellen Darstellungen des Denkens und Lebens eines Sokrates, Platon, Augustinus, Dante Alighieri, Pascal, Kierkegaard oder Friedrich Nietzsche waren und sind überzeugende Beispiele für seine Fähigkeit, den Zusammenhang zwischen Denken und Dasein zu erkennen und diesen philosophisch und theologisch analysierend dem Leser nahe zu bringen. Dieser lebendige Zusammenhang verbunden mit einer dem Menschen dienenden Philosophie und Theologie bestimmen auch seine eigenen Schriften.

Sein gesamtes Werk ruht auf einer eigenständigen Gegensatz-Lehre, in deren Rahmen er versuchte, die Dialektik Hegels durch eine unhegelianische Dialogik zu ersetzen. Er kommt dabei stärker von Georg Simmel und Heinrich Rickert als von Max Scheler her. Anknüpfungen an die Dialogphilosophie Martin Bubers sind nachweisbar, wenn Guardini auch immer wieder die Eigenständigkeit seiner Lehre betont.

Mit seiner ersten größeren Schrift Vom Geist der Liturgie (1917) hat er Maßstäbe für die Liturgische Bewegung und Liturgische Erneuerung gesetzt und damit die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wesentlich geprägt. Er stellt darin unter anderem den relativen Primat des Logos vor dem Ethos wieder her, und zwar einen Primat der Ordnung, nicht aber der Würde. Außerdem versuchte er, die Polarität zwischen Spiel und Ernst in der Liturgie wieder ins Bewusstsein zu heben. Anfangs sträubte er sich zwar noch, sich wie Johannes Pinsk an einem Volksaltar „beim Gebet und der Heiligen Handlung ins Gesicht sehen zu lassen“, hat „aber dann nachgegeben und bereut, es nicht früher getan zu haben.

Ohne seine augustinische und platonische Ader zu verleugnen, betonte er immer wieder auch den thomistischen Gegenpol und versuchte in seiner Dissertation und in seiner Habilitationsschrift Bonaventura, später aber auch John Henry Newman als Denker der Spannungseinheit herauszustellen. Dies spiegelt sich auch in seinem Wahrheitsverständnis wider, das er selbst als „polyphon“ kennzeichnete.

Das gleiche gilt für seine Vorliebe für das Mittelalter, die aber keinen restaurativen Charakter annahm. Sein 1950 veröffentlichtes Buch Das Ende der Neuzeit wurde von einigen Autoren zwar dahingehend interpretiert, doch Guardini setzte sich gegen diesen Vorwurf zur Wehr. Insgesamt gilt Guardini heute gleichermaßen als Konservativer mit Blick nach vorn und als Renovativer mit Blick zurück.

Im Bereich der Politischen Theologie versuchte er zunächst zwischen Carl Schmitt und den Katholischen Sozialisten Ernst Michel, Walter Dirks und Heinrich Mertens zu vermitteln, was ihm aber letztlich von beiden Seiten verübelt worden ist. Sein Selbstbildungsbrief Staat in uns erreichte einen für damalige Zeit hohen Bekanntheitsgrad, während andere Aufsätze zu politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen in der Quickborn-Zeitschrift Die Schildgenossen weitgehend unbeachtet geblieben sind. 1946 bezeichnete sich Guardini rückblickend als „katholischer Demokrat“, wobei auch hier katholisch nicht konfessionell, sondern religionsphilosophisch zu verstehen ist, nämlich dass er bei aller notwendigen Betonung der Freiheitlichkeit und Pluralität Autorität und absolute Werte weiterhin als gegeben anerkennt. In der Pädagogik betonte er in Briefen an die Jugendlichen die Notwendigkeit der Selbstbildung und den Ausgleich von Autorität und Freiheit in einem „schöpferischen Gehorsam“ des Gewissens.

Guardini versuchte, aus der Burg Rothenfels eine „Akademie“ zu machen, eine Idee, die ihn später auch zum Mitinitiator der Katholischen Akademie in Bayern in München und der Akademie für Politische Bildung in Tutzing werden lässt. Immer wieder verweist er dabei auch auf Friedrich Wilhelm Foerster als Impulsgeber.

Während des Nationalsozialismus versuchte er, die geschützte Sphäre der Burg so lange wie möglich aufrecht zu erhalten und musste dazu einige Kompromisse mit den Machthabern schließen, die ihn ab 1934 bespitzeln ließen. Seinen passiven Widerstand ließ er in seine Schriften Der Herr und Welt und Person einfließen, die seinen Lesern bereits damals als durchgängige Widerlegung der nationalsozialistischen Ideologie galten.

Nach dem Krieg veröffentlichte er die während seines Exils in Mooshausen entstandene theologisch-politische Besinnung Der Heilsbringer, in der er wie schon zu Beginn des dritten Reichs Hitlers Versuch, sich als Heilsbringer zu stilisieren, als totalitaristisch brandmarkte. Er bemühte sich daher in der Folgezeit insbesondere um ein „Ethos der Macht“ sowohl gegenüber anonymen „Es-Mächten“ (Medien, Bürokratie, Wirtschaft) als auch gegenüber den totalen Machtansprüchen politischer Ideologien.

Darüber hinaus war Guardini als Übersetzer tätig, zum einen im Auftrag von Papst Pius XII. des Psalters und zum anderen zahlreicher Einzeltexte, darunter 1950 seine sehr nah am lateinischen Originaltext stehende Übersetzung Dich, Gott, loben wir des aus dem 4. Jahrhundert stammenden Hymnus' Te Deum.

(Text und Foto bei Wikipedia)